Heike Henkel: Fitness auf 6 Pfoten

Effizient: Der Hund hat Auslauf und der Mensch wird fit

Besucht man Heike Henkel zuhause, fällt der Blick auf die Fotos ihrer drei Kinder, die an der Wand hängen. Darunter hängt ein Weiteres: eine Porträtaufnahme von Penny, einem waschechten deutschen Pinscher. „Früher hatten wir nur einen Hamster“, lacht Heike Henkel. „Der hat es nicht aufs Foto geschafft. Dann kamen die Kaninchen – und als wir umzogen und mehr Platz hatten, da kam der Hund“.

Der Wunsch ging, wie so oft, von den Kindern aus.

Schnell sah die ehemalige Profi-Sportlerin darin weitere Vorteile. „Als Motivator, dass man mehr rausgeht. Aber auch für die Kinder, dass man immer jemanden hat, wenn man alleine ist. Grundsätzlich steckt das wohl in jedem Menschen!“ Die Wahl fiel auf einen deutschen Pinscher, weil Heike Henkel die Hunde früher einmal gesehen hatte. „Wir haben uns die schüchternste ausgesucht“, erinnert sie sich. Davon ist bei Penny heute nicht mehr viel zu spüren.

Dann kam Penny.

Charakterstark ist eher das Wort, das einem angesichts der 6-jährigen Hundedame in den Kopf schießt. „Sie ist schon sehr eigen“, räumt ihr Frauchen ein. „Aber genau das gefällt uns auch an ihr. Ich glaube, wir sind alle nicht so angepasst. Muss der Hund jetzt immer und überall sofort gehorchen? Ich mag den Gedanken, dass sie mich freiwillig begleitet. Denn so sind wir alle auch. Wir machen nicht alle das, was uns gesagt wird. Wir machen es, weil wir es so wollen. Und deshalb passt Penny auch so gut bei uns rein.“ Schaut man in Pennys Augen, glaubt man Heike Henkel sofort. Es sind kluge Augen, kritisch, belustigt. Eins steht fest – diesem Hund kann man nichts vormachen und wahrscheinlich hat er auch einen sehr robusten Sinn für Humor.

Fit auf 6 Pfoten

Aber leider auch eine unselige Jagdleidenschaft. „Dass Penny jagt, ist schon blöd“, räumt ihr Frauchen ein. „Aber da arbeiten wir auch dran.“ Und daraus entstand die Idee, gemeinsam mit dem Hund Sport zu machen. „Ich dachte, wenn ich eh laufe, kann ich Penny mitnehmen. Wir sind alle sehr sportlich und Penny ist auch sehr sportlich – dann haben wir gemeinsam Bewegung und sie vergisst das Jagen.“ Am Anfang war das nicht so leicht, deshalb suchte sie sich mit Ulv Philipper einen Trainer. „Er hat eine ganz natürliche Sichtweise, die mir gut gefallen hat“, sagt sie. „Je entspannter man ist, desto entspannter ist auch der Hund.“

Mental-Training

Heute gibt die Grafikdesignerin Motivationsvorträge und Workshops, in denen sie andere Menschen inspiriert, ihr volles Potential auszuschöpfen. „Erfolg braucht Bilder“, weiß sie aus Ihrer Sportlerkarriere. „Es hilft immer, sich gute Bilder anzusehen. Wenn ich gute Sprünge ansehe, dann springe ich auch besser. Im Hochsprung habe ich mir die Höhe vorgestellt, den Sprung, und wie er über die Latte geht. Wenn man den Ablauf im Kopf hat und positiv nach vorne schaut, statt sich vorzustellen, dass die Latte fällt, ist der Erfolg wahrscheinlich. Wenn man sich dagegen eine negative Situation vorstellt, passiert diese auch.“ Und das lässt sich auf den Hund übertragen, weiß Heike Henkel.

In erster Linie arbeitet man an sich

 „Ich merk das selber. Wenn ich mal einen schlechten Tag hab, spüre ich, dass der Hund anders reagiert. Das hat nicht nur mit dem Empfinden, sondern auch mit den Bildern zu tun. Wenn ich das Kaninchen sehe, und ich denke von weitem: ‚Ohje – das könnte ein Problem geben‘ – anstatt entspannt zu sein, dann läuft sie im schlimmsten Fall hinterher.“ Aber was macht man denn dann, wenn man eine schlechte Erfahrung gemacht hat? „Man überschreibt das mit anderen Bildern. Sonst bleibt nachher die Angst, dass das immer wieder passiert. Das gelingt mir auch nicht immer – also das ist immer Training. In erster Linie arbeitet man an sich und stellt sich die Situation immer wieder vor, wie man ganz cool bleibt und wie man sie meistert.“ 

Penny kommt herein und läuft auf ihr Körbchen zu. Gekonnt packt sie einen Zipfel der Decke und wirbelt sie geschickt um sich herum, bis sie darin verschwunden ist. Dick eingepackt legt sie sich nieder. „Sie ist schon etwas Besonderes“, schmunzelt ihr Frauchen, und streichelt den Teil des Köpfchens, der aus dem Deckenberg hervorragt. Wohliges Schnaufen ertönt. „Wir möchten sie nicht mehr missen.“


Heike Henkel: 1,82m groß, sportlich, selbstbewusst: Heike Henkel gelang ein weltweit einmaliger Hattrick: Sie ist die einzige Hochspringerin, die in drei aufeinanderfolgenden Jahren Europameisterin, Weltmeisterin und Olympiasiegerin wurde. An ihrer Seite ist Penny, deutscher Pinscher mit ausgeprägter Persönlichkeit. Heike Henkel arbeitet heute als Coach, denn „Meine Stärke war das Mentale“, sagt sie. Diese Fähigkeit gibt sie gerne weiter.

Dieses Interview stammt aus der HundeWelt.

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