Wer’s glaubt, wird selig | Mein Weg an die Macht (4)

Liebes Tagebuch,

du glaubst nicht, wie sehr mir Ian mit seiner Schwärmerei für das weibliche Zweibein auf den Keks ging.

„Frauchen hat leckeres Futter besorgt, Frauchen ist so toll, … mau mau mau.“ Sobald er sie sah, machte er Plüschaugen und rannte ihr hinterher. Kater! Können besser futtern als denken. Kein Wunder, dass man uns Maine-Coons als Hundekatzen verspottet. Demnächst fängt er noch an zu apportieren. Da mein Bruder wie eine Schmeißfliege an der Frau klebte, setzte ich beim restlichen Personal an. Genau, ich musste den Mann auf mich prägen.

Zum Beweis meiner Loyalität ging ich immer dann aufs Katzenklo, wenn Herrchen sein Revier im Bad markierte. Dazu hockte es stundenlang auf diesem großen Keramikbrunnen mit Deckel, aus dem man so leckeres Wasser saufen konnte. Um ihm zu zeigen, dass ab jetzt ich das Sagen hatte, legte ich mich in seine heruntergelassenen Beinkleider und nagelte ihn fest. Der stand ohne meine Erlaubnis nicht mehr auf. Ich Chefin, du Diener – kapiert? Sobald er diesen Teil der Personal-Grundausbildung begriffen hatte, zwang ich ihn, zu gehorchen und mir die Freiheit zu schenken.

Zudem galt meine standhafte Anwesenheit in seinem Dunstkreis ja wohl als Zeichen absoluter Zuneigung. So einer treuen Katze konnte man doch bedingungslos trauen. Die haute nie ab. NIE! Ommm … Als der Diener das nächste Mal zur Haustür ging, heftete ich mich dicht an seine Fersen. Wie selbstverständlich marschierte ich mit und war schon beinahe draußen. Erst im allerletzten Moment bemerkte er mich, verstellte mir den Weg mit der Aktentasche und scheuchte mich zurück. Blödmann!

Aus Frust …

… bekam ich einen Lagerkoller. Man könnte sagen, ich war ziemlich gereizt. Als Ian wieder mit seinem tollen Frauchen angab, flogen die Fetzen. Überall lagen Haarbüschel auf dem Parkett. Eine blutige Nase hatte er jetzt auch. Selber schuld. Was kämpfte der völlig untrainiert gegen eine Spezialagentin wie mich? Kumpel, ich kann ja förmlich dabei zusehen, wie deine Plautze auf dem Sofa wächst.

Zum Ausgleich meditierte ich eine Runde auf dem Kratzbaum. Plötzlich ging mir auf, dass die weibliche Bedienstete der Schwachpunkt war. Die hatte mein Bruder schon total weichgekocht durch sein doofes Gekuschel. Bei ihr musste ich ansetzen und sie mit starker Pfote anleiten. Das war die Lösung. Nun komme ich vor die Tür. Einzelheiten folgen …

Deine Katzenagentin Indy

Kerstin Fielstedde wurde in Wolfsburg geboren. Sechs Monate, nachdem sie und ihr Mann Katzen-Zuwachs bekommen hatten, begann sie, inspiriert von Ian und Indy ihren ersten Roman „iCats Kamikatze“ (icats.de/kamikatze) zu entwickeln. Neben dem Schreiben gehören Motorradfahren, Tauchen, Squash und Reisen zu ihren Hobbys – und natürlich Katzen.

Diese Serie ist erschienen im Magazin Our Cats.

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