Ein großes Herz für gebrochene Hunde-Herzen

Als Uschi K. und Bernd S. sich aus diversen Gründen von ihrem liebsten Hobby, dem Motorradfahren getrennt haben, waren sie sich schnell einig: Wir brauchen eine neue Aufgabe. Allerdings hatten sie nicht wirklich lange Zeit, um sich etwas Passendes zu überlegen. Das Schicksal hatte offenbar etwas Besonderes mit den beiden vor

Denn als sie sich wieder einmal eine Folge der Sendung “Tiere suchen ein Zuhause” anschauten, wussten sie sofort, dass ihr neuer Lebensabschnitt durch einen Hund bereichert werden würde, dem sie Liebe, Zuwendung und Geborgenheit geben konnten.

Es kam, wie es kommen musste …

Sie mussten auch nicht lange warten. Über zufällige Umwege besuchten sie einen Schäferhundeverein, der Schutzhunde ausbildete und eine Schäferhündin in der Vermittlung hatte. Sie wollten sich dort nur einmal umsehen.

Steffi

Dass es nicht nur bei einem Besuch bleiben würde, war beiden sofort klar, als sie dort ihrem ersten Hund Steffi begegneten. “Steffi war sechs Jahre halt, verfügte über Papiere und einen tadellosen Stammbaum und sollte dort zum Schutzhund ausgebildet werden”, erinnert sich Bernd S. “Doch bei der Schutzhundeprüfung wollte sie einfach nicht beißen, und das war das Ende ihrer Karriere”, so S. weiter.

Also wurde die Hündin ausgemustert und galt als schwer vermittelbar.

Der Hundeverein hatte keine Bedenken, dem Paar den Hund ohne weitere Prüfung sofort mitzugeben. Sie zögerten keinen Moment, die ältere Hündin aufzunehmen.

Auch als sich nach einem Tierarztbesuch herausstellte, dass Steffis Ohren nicht nur komplett voller Milben waren und sie ein zu großes Herz hatte, was mit Komplikationen und Kosten verbunden war, gab es für die beiden keinen Zweifel.

Steffi war ein problemloses Familienmitglied geworden. Doch die Familie bekam noch weiteren Zuwachs.

Jonas

Bei einem Besuch im lokalen Tierheim fiel ihnen Schäferhund Jonas auf. Der anderthalbjährige Rüde stieß zum Rudel dazu. “Steffi nahm ihn gut ins Rudel auf, und sie war wie eine Mama für ihn”, erzählt Uschi K. und lächelt dabei. “Die beiden lebten noch zweieinhalb Jahre gemeinsam und hatten eine schöne Zeit”, fügt sie hinzu.

“Jonas war mein Seelenhund”, berichtet Bernd S. “Er hat immer neben mir am Bett geschlafen, so als ob er auf mich aufpassen wollte und ich ihn nicht verlasse”, sagt er wehmütig.

Nachdem Steffi über die Regenbogenbrücke gegangen war, statteten Uschi und Bernd erneut dem lokalen Tierheim einen Besuch ab.

Lea

Dort sprang ihnen die einjährige Schäferhündin Lea ins Auge. Trotz einer Herzerkrankung, die einen aufwendigen Eingriff an der Lungenarterie nötig machte, füllte sie den Platz im Haus mit ihrer Lebensfreude aus.

Max

Max, ein älteres Kaliber aus einem Tierheim (diesmal kein Schäferhund), trat für eine kurze Zeit in ihr Leben und wurde später an eine ältere Frau aus der Nachbarschaft vermittelt, die sich sehnlichst einen älteren, unkomplizierten Hund wünschte, da ihr alter Hund verstorben war.

Keinen Hund mehr?

Uschi entschied nach dem Hinübergehen von Jonas und Lea im Abstand von drei Jahren, dass sie nun keinen weiteren Hund mehr haben wollte. “Es ist mir so schwergefallen, die Familienmitglieder gehen zu lassen und Abschied zu nehmen”, berichtet sie. Und weiter: “Der Schmerz war sehr groß.”

Ihr Mann erzählt: “Ganze 10 Tage hat sie es ohne einen treuen vierbeinigen Begleiter ausgehalten. Und auch der Gedanke an so viele ältere Tiere, die niemand haben möchte und die alt und krank sind, hat uns nicht losgelassen.”

Wieder war es eine Sendung bei “Tiere suchen ein Zuhause”, die sie berührte. Dort wurde der Tierschutzverein Marsberg e.V. vorgestellt.

Indra

Sie nahmen Kontakt mit dem Tierschutzverein in Marsberg auf und fuhren dorthin. Hier wurden sie auf die sechsjährige Schäferhündin Indra aus Frankreich aufmerksam, hörten ihre schreckliche Leidensgeschichte über schweren körperlichen und seelischen Missbrauch und wussten erneut, dass sie helfen würden.

Nach einem weiteren Besuch in Marsberg durfte Indra bei ihnen einziehen.

Sie pflegten nicht nur Indras Herz, sondern versorgten ihre körperlichen Wunden über drei lange Jahre hinweg fast täglich medizinisch. “Es muss eine schlimme Tortur gewesen sein, die dieser Hund erlitten hat”, berichtet Bernd sichtlich bewegt.
“Wir fragen uns, was sind das nur für Menschen, die einem unschuldigen und wehrlosen Tier so etwas antun?”

Indra hatte ein gutes Leben bei den beiden Tierfreunden und lebte fast vier Jahre bei ihnen.

Laika

Kurze Zeit später fand die sehr ängstliche, siebenjährige Schäferhündin Laika über den Tierschutzverein Marsberg zu Uschi und Bernd in ihr neues Heim. Sie wurde auf spektakuläre Weise aus einer serbischen Tötungsstation gerettet, wo sie miterleben musste, wie andere Hunde aus lauter Not ihre Welpen gefressen haben.

Sie lebte zweieinhalb Jahre bei den beiden Hundefreunden.

Elias-Alfonso

“Mein Seelenhund Elias-Alfonso war acht Jahre und lag in Andalusien halbtot auf der Straße”, erzählt Uschi von ihrem nächsten Familienmitglied. “Er lag dort im Sterben und niemand kümmerte es”, sagt sie weiter. Glücklicherweise postete jemand das Bild des armen Tieres im Internet, und die Rettungsaktion begann.

So kam er über den Tierschutzverein Marsberg nach Deutschland, wo er Uschis Herz eroberte. Er hatte schwere Traumata am Kopf und der Wirbelsäule und bekam über zwei Jahre hinweg jeden Sonntag Physiotherapie. “Zusätzlich haben wir einen Therapeuten ins Haus geholt, damit er das Tier hier vor Ort behandeln konnte”, berichtet Uschi.

Zusätzlich konnten ihm Goldimplantate in der Halswirbelsäule und Hüfte noch einige Zeit helfen, bis es irgendwann nicht mehr ging. “Er hat mir an jenem Tag eindeutig vermittelt, dass er nicht mehr kann und gehen möchte”, erzählt sie und wird melancholisch.

Noah

Um über den Schmerz hinweg zu kommen, wollten sie nach Elias Übergang über den Tierschutzverein Marsberg einen Junghund aufnehmen, der ihm ähnlich sah.

“Nach einiger Überlegung haben wir uns durch unser Alter bedingt dazu entschlossen, nur noch jeweils einen alten Hund aufzunehmen und ihm einen schönen Lebensabend zu ermöglichen”, sagt Bernd.

Das war der Beginn einer weiteren innigen Verbindung.

Nach kurzer Beratung mit dem Tierschutzverein Marsberg wurde den beiden ein verwahrloster, elfjähriger Schäferhund-Rüde namens Noah ohne Vorbehalte vermittelt.

“Er ist einer der Ärmsten der Armen”, sagt Uschi. “Die ersten 10 Lebensjahre hatte er kein gutes Leben. Er war vermutlich in dieser langen Zeit an einer Kette gehalten worden, ohne Zuspruch und Pflege. Wir haben keine Minute gezögert und ihn sofort bei uns aufgenommen. Der alte Herr aus Bulgarien hat sich sofort Zuhause gefühlt und erst einmal sein Revier markiert, das war dann unser Wohnzimmer”, erzählt Uschi weiter und lacht, während Noah in seiner ganzen Größe und Pracht wohlig ausgestreckt auf dem Teppich mitten im Wohnzimmer liegt und schnarcht.

Ein großes Herz für gebrochene Hunde-Herzen

Eine wahre Idylle für alte und kranke Tiere haben Uschi K. und Bernd S. geschaffen. Sie haben ein großes Herz für gebrochene Hunde-Herzen, die sie mit ihrer Liebe, Fürsorge, Zuneigung und Zeit heilen und damit die Welt ein Stück weit zu einem besseren Ort machen.

“Solange wir können, werden wir helfen und dafür sorgen, dass alte und auch kranke Hunde, die niemand mehr möchte, sich willkommen und geliebt fühlen. Wenigstens für die Zeit, die sie bei uns sind und die wir miteinander haben. Und bisher hatten wir das Glück, das wir mit unseren Hunden ohne größere Probleme eine vertrauensvolle Verbindung haben aufbauen können.“

Wir hoffen, dass das Beispiel von Uschi und Bernd Menschen dazu ermutigt, es ihnen gleichzutun und alten und kranken Tierheimhunden eine zweite Chance zu geben. Die Belohnung ist ihre Liebe – und die ist unbezahlbar.

Unterstützung und mehr Infos über den Tierschutzverein Marsberg e.V. gibt es hier: www.tierschutz-marsberg.de

Text & Fotos: Jiota Kallianteris

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