Alles nur ein Spiel | Mein Weg an die Macht (7)

Ich fasse es nicht: Ian nahm Drogen. Ja, Drogen!

Du hörst richtig, liebes Tagebuch. Verabreicht von den Zweibeinen, um ihn gefügig zu machen.

Als ich ins Wohnzimmer kam, lag er sabbernd auf dem Rücken und machte Maustritt gegen einen mit Baldrian und Katzenminze gefüllten Stinkefisch in Übergröße. Kater am Boden! Der war völlig weggetreten und konnte nur noch blöde schnurren. Alle Versuche, ihm das Ding zu entreißen, blieben erfolglos. Womöglich ließ er sich in diesem Zustand bürsten. Geht’s noch? Drogen sind kein Spielzeug. Wach auf, Ian!

Als mein Bruder wieder zu sich kam, brachte er ganz neue Ideen ein. Musste eine Nachwirkung des Deliriums sein. Mit Klickertraining wollte er die Dressur von Frauchen verbessern. Er meinte, dann würde die auf Kommando Futter geben. Was für ein Blödsinn, Drogenhirn. Obwohl – das funktionierte tatsächlich. Ian brachte der Dienerin bei, auf sein Pfotensignal einen Knackfrosch zu drücken und zeitgleich Leckerlis rauszurücken. Vielleicht hatte ich den Kater unterschätzt.

Trotzdem, wenn der weiter so intim mit den Bediensteten rummacht, mahne ich ihn ab. Das Personal braucht eine harte Pfote. Da darf ich keine Weicheier in den eigenen Reihen dulden. Ich muss mich auf meinen Partner verlassen können – oder er ist raus. Genauso wie die blinkende Spielzeugkugel aus der Achterbahn. Diese hohle Plastikschlange mit Pfotenlöchern für Grenzdebile, durch die man den Ball endlos hin und her schubsen konnte. Wie blöd war das denn? Einmal zugelangt und fertig. Ich konnte warten. Kamaunz. Ich schlug zu. Viel Spaß beim Anstieren der leeren Schlange, Leute. Die Kugel klemmt jetzt sauber hinterm Sofa.

Nur dieser Federflieger machte mich verrückt.

Ich drehte glatt durch, wenn der vor mir durch die Luft sauste. Das konnte ja auch ein Spion sein. Irgendwie hatte Herrchen das Teil aber unter der Fuchtel. Immer wenn er mit dem Stock in eine Richtung zeigte, flog der Federwisch hinterher. Ich komme schon noch drauf, wie er das macht.

Überhaupt spielte ich bisher recht gern mit dem Mann. Ich flirtete ihn an und ließ ihn ganz nah herankommen – im Wahn mich streicheln zu dürfen. Sobald er sich zu mir hinsetzte, ging ich genau zwei Schwanzlängen weg von ihm. So weit reichte sein Arm nicht. Machte echt Spaß, ihn auf dem Hintern über den Boden robben zu sehen. Wieder und wieder. Der lernt es nie. Mehr dazu im nächsten Teil.

Deine Katzenagentin Indy

Diese Serie ist erschienen im Magazin Our Cats.

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