Einsatz auf vier Pfoten! | Teil 14

Die Drogensuche in der Wohnung eines Verdächtigen war erfolglos verlaufen. Spürhund Bux hatte meine Kollegen und mich jedoch anschließend in den Keller des Mehrfamilienhauses geführt.

In welchem dieser Verschläge konnte etwas versteckt sein?

Er blieb stehen und schnupperte mit hoch erhobenem Kopf in den Gang. Dieses Verhalten war mir vertraut. In der Vergangenheit war dies fast zur Garantie geworden, dass Buxi fündig werden würde. Aber auch umgekehrt: wenn er einen Raum betreten und sofort Desinteresse gezeigt hatte, blieb die Suche häufig erfolglos. Langsam ging ich mit Buxi an der Leine von Tür zu Tür. Er drückte seine Nase jeweils zwischen die Holzlatten, schnaubte kurz und zog mich dann weiter. Allmählich beschlichen mich Zweifel. Wer weiß, was er gewittert hatte? Vielleicht waren es ja nur die Mäuse gewesen, deren Hinterlassenschaften davon zeugten, dass einige hier unten hausten. Doch dafür suchte er zu zielstrebig.

Was würde sich in diesem Chaos noch alles finden? Schäferhund Bux macht sich gleich ans Werk.

Das Rauschgift muss hier irgendwo sein

Das siebte Abteil sah übel aus. Ein Berg, bestehend aus Klamotten, Schuhen, Kartons, vergilbten Zeitungen und sonstigem Unrat gammelte in der hinteren Ecke vor sich hin, daneben waren einige Umzugskisten gestapelt. Der Raum erweckte den Eindruck, als hätte ihn schon seit Jahren niemand mehr betreten. Doch genau an dessen Eingang intensivierte Buxi seine Nasenarbeit, schnupperte und schnaubte aufgeregt. Und dann kratzte er an der Lattentür, zunächst vorsichtig, dann aber, als wollte er sich eigenpfötig Zutritt verschaffen. Der jüngere meiner beiden Kollegen stellte sich neben uns, die Hände tief in den Hosentaschen.

„Was hat er denn? Macht er das öfter?“ „So etwas nennt man überzeugendes Anzeigeverhalten, Ralf. Er ist überzeugt, dass da drin Rauschgift ist, und deshalb bin ich es jetzt auch.“ „Schön und gut“, antwortete er skeptisch, „nur ist das Abteil versperrt, wir müssten es aufbrechen. Ob das rechtmäßig wäre? Außerdem wissen wir nicht, wem es gehört… – also ich würde die Finger davon lassen.“  

Allmählich ärgerte mich der Bursche. Vor lauter Angst, etwas falsch zu machen, zog er nun vor, gar nichts zu machen. 

„Gefahr im Verzug“, sagte ich, zückte mein Multifunktionswerkzeug, das ich immer dabei hatte, klappte die Zange auf und setzte es an dem Vorhängeschloss an. „Okay, das geht aber dann auf deine Kappe“, sagte der Kollege und trat den Rückzug an.  „Ich warte oben.“

„Such’s Gifti!“

„Feigling“, dachte ich, dann zerbrach der Schließbügel an der Tür. Buxi wartete sein Kommando „Such’s Gifti!“ gar nicht erst ab und stürzte sich in den Müllhaufen, steckte seine Schnauze tief hinein und räumte mit den Pfoten alles zur Seite, was ihn störte. Ein verbeulter Schuhkarton tauchte auf! Ich startete durch. Würde sich darin tatsächlich Rauschgift befinden, befand sich Buxi jetzt in Lebensgefahr. Ich erwischte ihn am Halsband und zog ihn in dem Moment zurück, als er seine Zähne in die Schachtel schlagen wollte.

Weit weniger als ein Gramm von beispielsweise Heroin auf seiner Zunge könnte seinen Tod bedeuten! Er leckte sich über die Nase. Hatte er schon etwas davon erwischt? Es gibt Feststellungen, über die man gleichermaßen erfreut und enttäuscht ist. Dieser Gefühlsmix stellte sich bei mir ein, als ich die Box an mich nahm und öffnete: enttäuscht, dass sich darin nur alte Briefe befanden, und froh aus dem selben Grund. Wenigstens konnte sich Buxi daran nicht vergiftet haben. Immerhin waren die Briefe an Müller adressiert.

Doch was hatte meinen Hund derart angezogen? Er lag noch immer im Platz und wartete ungeduldig auf die Erlaubnis, weitersuchen zu dürfen.

Gute Arbeit! Dank der feinen Spürnase wurde das Heroin gefunden.

Volltreffer!

Unterhalb der Stelle, an der der Schuhkarton vergraben gewesen war, schimmerte etwas silbern. Ein Aluminiumkoffer. Die beiden Zahlenschlösser an dessen Deckel leisteten meiner Zange kaum Widerstand. Ich staunte. So etwas hatte ich noch nicht gesehen! Der Koffer war bis zum Rand gefüllt mit transparenten, rechteckigen Päckchen, deren Inhalt offenbar hellbraunes Pulver war. Sogar ich konnte nun den essigähnlichen Geruch wahrnehmen. Tatsächlich Heroin. Buxi knurrte plötzlich, reckte den Hals und schaute hinaus in den Gang.

Etwas entfernt hörte ich, wie sich jemand räusperte. „Ähm, Kollege?“ Es war der Feigling. „Wir fahren dann mal, müssen zu einem Familienstreit!“ „Das glaube ich kaum“, antwortete ich, „ihr verständigt jetzt erstmal das Fachkommissariat. Und dann schnappen wir uns den feinen Herrn Müller. Ich, besser gesagt mein überzeugter Hund, hat hier einiges gefunden!“ Der Kollege, jetzt gar nicht mehr so vorsichtig, steckte seinen Kopf durch die Türe und sagte „Oh!“, als er Buxis Fund entdeckte.

Gleich klickten die Handschellen

„Ja, das reicht für ein paar Jahre“, stellte ich fest. Die Überraschung im Gesicht des Kollegen wich jetzt einer offensichtlichen Verlegenheit, während er das Funkgerät in die Hand nahm, um die Einsatzzentrale zu informieren. Ich gab ihm einen Klaps auf die Schulter, bat ihn, hier zu warten und eilte mit Buxi die Kellertreppe hinauf. Hoffentlich hatte Müller das Haus noch nicht verlassen! Dazu war er gerade im Begriff. Ich traf ihn an der Ausgangstür. 

„Herr Müller, Sie sind vorläufig festgenommen.“ Müller zuckte zusammen, schaute sich um, suchte offenbar einen Ausweg. „Wenn Sie Widerstand leisten oder flüchten, setze ich meinen Diensthund ein,“ ergänzte ich meinen Standardsatz. Buxi fixierte den Mann und knurrte drohend aus tiefer Brust. Im selben Moment kam Ralfs Kollege hinzu. Er erfasste die Situation sofort und legte dem Festgenommenen Handschellen an.

Mein Telefon klingelte. „Elmar, Glückwunsch zu deinem Erfolg!“ Es war die Einsatzzentrale. „Wenn du in der Treppenstraße nicht mehr gebraucht wirst… wir haben einen aktuellen Einbruch in Zirndorf. Könntest du mit deinem Hund…?“  Eine Minute später waren Buxi und ich unterwegs zu unserem nächsten Einsatz.

Kaum war der Einsatz beendet, ging es auch schon zum nächsten.

Hier erfährst du, wie es weitergeht.

Elmar Heer arbeitet seit 40 Jahren als Polizeibeamter. 1990 wechselte er vom Streifendienst zur Diensthundestaffel Mittelfranken. Schon früh entdeckte er seine zweite Leidenschaft: das Schreiben. Mit seinem Buch „Partner auf Leben und Tod“, erschienen bei Droemer-Knaur, gewährt der Autor dem Leser einen Einblick in Leben und Arbeit eines Polizeihundeführers. Er erzählt über seine Aufgaben als Hundeführer, die umfangreiche Ausbildung von Polizeihunden und über spannende, heitere und auch tragische Einsätze, die er mit seinen Schäferhunden Gundo, Bux und Carina erlebte. Heute steht ihm mit Sam sein vierter Diensthund zur Seite.



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