“Chester ist die beste Entscheidung, die wir getroffen haben”

Leser berichten: Was sich mit Hund alles verändert

„Das Leben mit Chester ist ein großes Abenteuer das gelebt werden will“, sagt HundeWelt-Leserin Nicole Carpenter. Seit einigen Monaten ist ihr Leben um vier schokobraune Pfoten reicher. Sie gehören Chester, dem 10 Monate alten Labrador des jungen Paares.

Der Wunsch nach einem Hund bestand schon länger. „Meine Eltern hatten zwei Hunde als ich klein war und auch die Familie meines Mannes hatte einen Hund. Da wir beide aber bis vor zwei Jahren noch Vollzeit beschäftigt waren, kam ein Hund für uns nicht in Frage. Wir wollten ihn nicht so lange alleine lassen müssen“, sagt Nicole Carpenter. „Wir gehen viel Wandern und genießen die Natur, aber irgendwie hat da noch was gefehlt. Der Wunsch nach einem Hund wurde immer stärker, die Gespräche immer intensiver und dann entschlossen wir uns für unser Familienmitglied.“ Dabei sollte Chester etwas ganz Besonderes sein. Denn Nicole Carpenter leidet seit fast 15 Jahren an einer Angst- und Panikstörung mit Agoraphobie. Ihre Therapeutin bestärkte sie in ihrem Wunsch. Und seit Chester da ist, ist alles anders. „Was soll ich sagen, Chester hat unser Leben, mein Leben sehr bereichert“, strahlt Nicole Carpenter.  Wir sprachen mit ihr darüber, was sich in ihrem Leben alles verändert hat.

Wie lernten Sie sich denn kennen, liebe Frau Carpenter?

Nicole Carpenter: Ich habe nach Züchtern in unserer Nähe und auch deutschlandweit gesucht, denn eins war klar, es sollte ein Labrador in Chocolate sein. Nach ein paar Tagen der Recherche und intensiven Gesprächen mit meinem Mann habe ich mich entschlossen, bei der Züchterin meiner Wahl anzurufen. Das war im Herbst letzten Jahres. Ich war sehr aufgeregt, denn mit etwas Glück würde dann in absehbarer Zeit ein Welpe hier sein Unwesen treiben. Ich erreichte nur den Anrufbeantworter, hinterließ meinen Namen und Telefonnummer und legte enttäuscht auf. Es dauerte aber nicht lange und die Züchterin rief uns zurück. Ich hatte viele Fragen, aber sie beantwortete alle mit sehr viel Geduld und sie war mir von Anfang an sympathisch. Sie sagte mir, dass für März ein Wurf in Chocolate geplant sei. Wir kamen auf die Liste und waren happy! Jetzt hieß es Daumen drücken, ob dann auch die Deckung der Hündin geglückt war. Und ja, Ende Januar hieß es: Wir erwarten einen Wurf in Chocolate.

Das war ja wirklich Glück! Aber auch noch eine lange Zeit. Konnten Sie es denn bis dahin aushalten?

Nicole Carpenter: Ich wollte unbedingt vorab schon einmal dorthin. Und das durften wir auch. Schon ein paar Tage später fuhren wir dann zur Züchterin. Als uns das Tor aufgemacht wurde, begrüßte uns schon die Hündin, die unseren Schatz austrug. Sie war total aufgeregt, schwänzelte um uns rum, gab uns Küsschen und das lustige war, sie sah aus wie eine Knutschkugel. Sie war wirklich kugelrund! Wir hatten ein sehr nettes Gespräch und all unsere Fragen wurden geduldig beantwortet. Als wir heim fuhren hatten wir einen Vertrag in unserer Tasche und konnten es kaum erwarten, bis die Kleinen auf die Welt kamen. März schien noch so weit entfernt zu sein…

Das kann ich mir gut vorstellen. Und wann wurde Chester geboren?

Nicole Carpenter: Am 02.03.2018 war es dann so weit. Chester erblickte das Licht der Welt. Vier Wochen später sollten wir dann unseren Schatz kennenlernen. Wir konnten es wirklich kaum erwarten. Kaum waren wir drin, wurden wir auch schon von der Mama freudig begrüßt. Ja, und dann endlich war es soweit! Wir lernten Chester kennen! Ein kleiner brauner Wollknäuel, der die Äugelein schon auf hatte und versuchte herumzutapsen. Wir durften ihn auf den Arm nehmen und mit ihm schmusen und ihn kuscheln. Wir schmolzen dahin und hätten ihn am liebsten mitgenommen, aber wir mussten uns noch bis Anfang Mai gedulden. Am 11. Mai zog Chester dann endlich bei uns ein.

Wie verlief die erste Autofahrt?

Nicole Carpenter: Wir hatten eine große Box in den Kofferraum gestellt, in die wir ihn eigentlich während der Fahrt hinein tun wollten. Wir hatten eine kuschelige Decke und auch Spielzeug hinein gelegt. Er sollte sich wohl fühlen und während der Fahrt sicher sein. Unsere Züchterin meinte, ich solle ihn doch auf der Heimfahrt auf den Schoß nehmen. Schließlich wurde er jetzt aus seiner gewohnten Umgebung gerissen und er könne die eine oder andere Streicheleinheit bestimmt gut gebrauchen, bis er in seinem neuen Zuhause angekommen ist. Das musste sie mir nicht zweimal sagen. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht setzte ich mich auf den Beifahrersitz und unsere Züchterin übergab mir den kleinen Wonneproppen. Wir waren noch nicht weit gekommen, da wurde es plötzlich ganz warm auf meinem Schoß… Hatte der Räuber mich doch glatt angepieselt und das ganze drei Mal, bis wir daheim waren. Naja, Hauptsache dem Hund geht’s gut, gell…

Haben Sie sich auf Chester vorbereitet?

Nicole Carpenter: Ja! Ich habe ganz viel recherchiert und habe meiner Freundin Löcher in den Bauch gefragt. Sie hat zwei Labrador Retriever und einen Deutsch Drahthaar. Wir haben für Chester einen festen Schlafplatz eingerichtet und es sollte auch der Ort sein, wohin er sich zurückziehen kann, wenn er seine Ruhe braucht. Wir haben Sicherheitsgitter an die Treppen im Haus angebracht, weil der Labrador im ersten Lebensjahr nicht so viele Stufen laufen soll. Wir haben uns Gitter und Anschnallgurte für unsere Autos gekauft. Mein Mann hat sogar im Garten Rampen auf die Stufen gebaut, damit der Bub keine Treppen laufen muss. Ja, und ganz viel Spielsachen. Ein Hundebett noch fürs Wohnzimmer, Decken damit er es bequem hat, diverse Leinen für die Hundeschule, ein Halsband, und und und… Auch hatten wir schon eine Hundeschule ausgesucht und uns angemeldet. Der erste Kurs fing an dem Wochenende an, als Chester bei uns einzog. Freitags abgeholt und Samstag war die erste Kursstunde. Chester wurde also mit 10 Wochen eingeschult.

Das klingt ja wirklich mustergültig. Wie liefen denn die ersten Wochen?

Nicole Carpenter: Mit meinem Chef war ausgemacht, dass ich erst mal drei Wochen Urlaub nehme, wenn Chester einzieht. Mein Mann würde dann danach drei Wochen zu Hause bleiben. Also hatte er sechs Wochen rundum Betreuung. Wir haben ihn aber auch schon stundenweise alleine gelassen, damit er sich schon mal daran gewöhnt, wenn wir beide wieder zu Arbeit gehen würden. Ja… mein Tagesablauf hat sich voll auf Chester ausgerichtet, obwohl er auch viel geschlafen hat. Wenn er mal nicht geschlafen hat, haben wir viel gespielt oder waren Gassi. Er musste auf jeden Fall überall hin mit.

Und wie war das für Sie?

Nicole Carpenter: So was war ja noch nicht da. Ich hatte Verantwortung für ein Lebewesen. Da guckt man natürlich, dass es dem Bub an nix fehlt. Wir waren viel draußen, das Wetter dieses Jahr war ja der Hammer. Alle, wirklich alle in unserem Bekannten- und Familienkreis wollten Chester natürlich sofort kennenlernen. Wir mussten sie regelrecht bremsen, sonst wäre jeden Tag Full House gewesen und der Kleine damit völlig überfordert. Ich selbst konnte ja gar nicht genug von Chester bekommen. Am liebsten hätte ich den lieben langen Tag mit ihm geschmust und gekuschelt. Ich musste mich jeden Tag aufs Neue bremsen. Manchmal habe ich ihm einfach beim Schlafen zugesehen. Das kann ich übrigens heute auch noch.

Und wie ist das Leben heute mit ihm?

Nicole Carpenter: Nach wie vor dreht sich alles um den Hund. Chester ist die beste Entscheidung, die wir seit langem getroffen haben. Ich stecke sehr viel Zeit in seine Ausbildung. Es macht uns sehr viel Spaß, ist aber zur Zeit auch sehr mühsam und ein Geduldspiel, denn er ist jetzt gerade mit seinen fast 10 Monaten in der Pubertät. Da hat er das ein oder andere Gelernte schon mal „vergessen“, oder testet aus, wie weit er gehen kann. Wichtig ist, konsequent zu sein und zu bleiben. Aber wir haben die richtige Auswahl der Hundeschule getroffen. Da sind wir sehr gut aufgehoben. Unsere Trainerin weiß was sie tut, hat sehr viel Geduld mit all ihren Schülern und man merkt, dass sie ihre Arbeit mit sehr viel Herzblut ausführt! Bis zum Begleithund wollen wir es auf jeden Fall schaffen und wenn es Chester und mir Spaß macht und er dafür geeignet ist, möchten wir gerne eine Ausbildung zum Besuchs- und Therapiehund machen. Im Januar darf er mich sogar zur Arbeit begleiten. So als Projekt quasi. Ich habe eine Sondergenehmigung von unserem Geschäftsführer erhalten. Chester soll mir helfen, mich nach einer Panikattacke wieder zu erden, mich in die Realität zurück holen und mich wieder motivieren, meine Arbeit aufzunehmen. So eine Panikattacke ist sehr anstrengend und ermüdend und am liebsten würde ich mich danach irgendwo verkriechen, wo mich keiner so schnell findet. Wir haben eine dreimonatige Probezeit vereinbart. In dieser Zeit wird sich zeigen, ob es gut für mich und auch ob es gut für Chester ist, mich zu begleiten. Ich bin gespannt und meine Kollegen freuen sich schon auf meinen Räuber!

Das klingt ja richtig, richtig gut! Was würden Sie rückblickend sagen: Wie hat Chester ihr Leben verändert?

Nicole Carpenter: Er strukturiert meinen Tagesablauf und lässt mir nicht viel Zeit über Dinge nachzudenken, die es nicht wert sind. Ich hatte im Herbst wieder so eine Phase, wo mich eine Panikattacke nach der anderen überrollt hat. Wäre Chester da nicht gewesen und hätte mich nicht immer wieder in die Realität zurückgeholt, wäre es wahrscheinlich in einer dicken fetten Depression geendet. Ich bin sehr viel ausgeglichener und jeden Tag an der frischen Luft zu sein tut einfach gut. Das Erlernte aus der Hundeschule muss auch jeden Tag geübt und gefestigt werden, was eine Menge Zeit in Anspruch nimmt. Aber am Ende zahlt es sich auf jeden Fall aus. Meine Hobbies sind zurzeit auf Eis gelegt, der Tag ist einfach viel zu schnell vorbei. Chester ist der Mittelpunkt unseres Lebens.  Ich hätte nicht gedacht, dass ein Hund mein Leben dermaßen verändert und mir meine Angst vor Panikattacken nimmt.

Liebe Frau Carpenter, vielen Dank für dieses angenehme und offene Gespräch. Wir wünschen Ihnen und Chester alles, alles Gute.


Dieses Interview stammt aus der HundeWelt.

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