Einsatz auf vier Pfoten! | Teil 13

Im Polizeialltag sind oft Bauchgefühl und Überzeugung notwendig. Denn nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint. Diese Erfahrung mussten Buxi und ich auch beim aktuellen Einsatz machen. 

Was wird uns erwarten?

„Elmar, könntest du mal in die Treppenstraße 35 fahren und deinen Fiffi schnüffeln lassen?“ Für den Funksprecher der Inspektion West hießen alle Hunde Fiffi. Irgendwie nett. „Worum geht es denn? Habt ihr schon was gefunden?“  „Nein, eigentlich ging es um eine Ruhestörung. Aber meiner Streife kommt da etwas verdächtig vor. Der Wohnungsmieter scheint clean zu sein, jedenfalls ist er nicht in unserem Computer vertreten. Schau’ doch einfach mal vorbei, wenn du gerade nichts Besseres zu tun hast.“ Hatte ich nicht.

In der Treppenstraße angekommen, ließ ich Buxi erst einmal im Auto. Ein Kollege wartete bereits vor der Wohnungstüre und nahm mich zur Seite: „Eigentlich haben wir keinen konkreten Verdacht, nur dass der Kerl da drin auffällig lange gebraucht hat, bis er uns aufgemacht hat. Aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass da etwas nicht stimmt.“

Die Sache mit dem Bauchgefühl

Ich zweifelte. „Dein Bauchgefühl in Ehren, aber das wird als Rechtsgrundlage nicht reichen, die Wohnung zu durchsuchen. Es sei denn, er erklärt sich ausdrücklich damit einverstanden.“ „Ist er aber. Er fühlt sich anscheinend sehr sicher. Was mir aufgefallen ist… ach, schau dich selber mal um.“  Eine überaus elegante, wohl riechende Wohnung empfing mich, geschmackvoll eingerichtet, und dies nicht gerade billig.

Was hier glänzte, war tatsächlich Gold. Oder Gold wert, alleine die Designer-Stereo-Anlage, wohl der Ursprung der Ruhestörung, schätzte ich im Preis auf ein halbes Jahreseinkommen meinerseits. Deren Besitzer, Jens Müller, war ein gepflegter, eloquenter Mann mittleren Alters, jedoch mit deutlicher Tendenz zur Arroganz. Aber er streckte mir die Hand entgegen, lächelte, wenn auch gezwungen, und meinte: „Kommen Sie ruhig herein! Wo haben Sie denn Ihren Hund? Ich habe nichts zu verbergen.“

Die Wohnung war luxuriös eingerichtet. Aber irgendetwas stimmte nicht.

„Ich habe nichts zu verbergen“ – oder doch?

Jetzt kam er mir auch verdächtig vor. Welcher unbescholtene Bürger lädt die Polizei förmlich dazu ein, seine Wohnung zu durchsuchen? Er folgte meinem Blick, der auf eine elektronische Feinwaage auf dem Fensterbrett gefallen war. „Für meine Goldreserven, wissen Sie? In Anbetracht der allgemeinen Wirtschaftslage habe ich einen großen Teil meines Vermögens in Edelmetall angelegt. Ich wiege das gerne nach. In die Verlegenheit dürften Sie ja kaum kommen…“ Seine Arroganz gewann nun doch die Oberhand. 

„Da könnten Sie recht haben“, bestätigte ich neidlos, ging zum Fenster, betrachtete die Waage genauer und hob sie beiläufig an. Darunter kam ein kleiner, silbern gerahmter Kosmetikspiegel zum Vorschein, auf dem eine Rasierklinge lag. Ein Hauch weißen Staubes trübte das Glas in den Ecken. Offensichtlich, dass hier Drogen zumindest konsumiert wurden. Der Mann reagierte schnell: „Ah, da ist ja der Spiegel! Den hat eine Freundin kürzlich hier vergessen, sie hat schon danach gefragt.“ Ich musste schmunzeln: „Achso, dann ist das sicherlich Gesichtspuder, alles klar.“

Wie schnell sich doch das Blatt wenden konnte

Das Ende seiner Eloquenz war nun wohl auch erreicht. Müllers Ausdrucksweise rutschte plötzlich in Richtung Gosse, was mir in diesem Zusammenhang allerdings wesentlich vertrauter war: „Dann holen Sie doch Ihren blöden Scheißköter, wenn Sie das anzweifeln.“ Ich nahm dies als als klare Einverständniserklärung für eine Wohnungsdurchsuchung. Zur Sicherheit holte sich mein Kollege aber noch telefonischen Rückhalt bei der Staatsanwaltschaft. Eine halbe Stunde später lag Buxi auf dem seidenen Läufer im Flur der Wohnung und hechelte.

Er hatte nichts gefunden! Der Verdächtige lümmelte inzwischen in seinem weißen Ledersessel und ließ die Lehne elektrisch vor und zurück summen. Er gähnte gelangweilt. Eine letzte Hoffnung hatte ich noch: „Haben Sie ein Dachboden- oder Kellerabteil, Herr Müller?“ „Weder noch. Wenn Sie dann fertig wären…?“ Er schaute demonstrativ auf seine Rolex. „Ich habe noch etwas zu erledigen.“  Ich verbarg meine Enttäuschung und zuckte mit den Schultern. „Na, dann wollen wir Sie nicht länger davon abhalten.“

Der hat Dreck am Stecken

Nachdenklich ging ich mit meinen Kollegen die Stufen hinunter, am Ausgang blieben wir noch einmal stehen. Ich wandte mich der Streife zu: „Dass der Dreck am Stecken hat, darin gebe ich eurem Bauchgefühl recht. Wahrscheinlich kokst er auch, wozu sonst hätte er diesen Spiegel mit der Rasierklinge?“ Der minimale Staub in den Ecken aber hätte kaum gereicht, einen Drogentest durchzuführen. Geschweige denn für eine Anzeige.

Buxi schnüffelte indessen interessiert an der geschlossenen Tür zum Keller herum und sog an deren Spalt hörbar die Luft ein. Ich ging in die Hocke und streichelte Bux über den Kopf. „Was ist?“ fragte ich ihn. Er antwortete mit einem Schwanzwedeln. Dann leckte er über den Türfalz. Ich richtete mich wieder auf: „Ich glaube, wir sollten uns den Keller doch einmal ansehen, Kollegen! Was mein Hund von hier oben wahrgenommen hat, weiß ich nicht. Aber ich schaue mich jedenfalls da unten mal um.“ 

Der Keller hingegen machte einen ganz anderen Eindruck. Und hier schlug Buxi an…

Welches Geheimnis birgt der Keller?

Der Zustand des düsteren Kellers, von einer nackten Glühbirne schwach beleuchtet, stand im direkten Gegensatz zu der aufwändig renovierten Wohnung, in der wir eben noch gewesen waren. Es roch muffig, die grob verputzen Wände waren fleckig-grau. Buxi blieb stehen und schnupperte mit hoch erhobenem Kopf in den Gang. Dieses Verhalten war mir vertraut. In der Vergangenheit war dies fast zur Garantie geworden, dass Buxi fündig werden würde. Aber auch umgekehrt: wenn er einen Raum betreten und sofort kein Interesse gezeigt hatte, blieb die Suche häufig erfolglos. Wird Bux den Verdächtigen doch noch überführen können?

Bereit für den Einsatz…

Hier erfährst du, wie es weitergeht.

Elmar Heer arbeitet seit 40 Jahren als Polizeibeamter. 1990 wechselte er vom Streifendienst zur Diensthundestaffel Mittelfranken. Schon früh entdeckte er seine zweite Leidenschaft: das Schreiben. Mit seinem Buch „Partner auf Leben und Tod“, erschienen bei Droemer-Knaur, gewährt der Autor dem Leser einen Einblick in Leben und Arbeit eines Polizeihundeführers. Er erzählt über seine Aufgaben als Hundeführer, die umfangreiche Ausbildung von Polizeihunden und über spannende, heitere und auch tragische Einsätze, die er mit seinen Schäferhunden Gundo, Bux und Carina erlebte. Heute steht ihm mit Sam sein vierter Diensthund zur Seite.



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