Neulich … | hatte ich wieder einen Wurf Welpen.

Das ist niemals Routine – jedes kleine Leben ist für mich etwas Besonderes. Und liegt mir am Herzen.

Kein Welpe verlässt das Haus, ohne, dass der Besitzer einen Welpenkurs bekommen hat. Egal ob er schon Hunde hatte oder nicht. Warum? Dinge entwickeln sich weiter, verändern sich. Nach dem Treffen gibt es eine gut sortierte Welpenmappe! Alles noch einmal zum Nachlesen. Und ich biete einen 4-wöchigen Nachsorgekurs an, nachdem die Welpen ihr Zuhause verlassen haben. Und dann erreichen mich die Bilder.

• Klein Willy mit knapp 2 Kilo im 5. Monat in der Hundeschule. Um ihn herum wirbelt ein 25 Kilo schwerer Goldie. Willy schnappt wild um sich, sucht immer wieder Schutz bei Frauchen. Findet ihn nicht. Geht in seiner Not nach vorne, zeigt die Zähne. Darunter der Titel: „Willy unser kleiner Draufgänger! Süüüüüß, oder?“.

• Oder Funny, Bolonka Welpe, 6 Monate. „Funny, frisch vom Friseur! Es hat 2 Stunden gedauert, sie war so tapfer!“. Das lässt mich ahnen, wie gut die Fellpflege vorher geklappt hat. Furchtbar sind Bilder mit kompletter Kahlschur und dem Zusatz: „Bisschen kurz, ging aber nicht anders, ist dann eben die Sommerfrisur.“

• „Unser Naturbursche!“, zeigen Bilder von badenden Hunden in stinkenden Tümpeln oder pfützenschlabbernden Welpen. Kommen dann noch Bilder von: “Endlich mal kaputt!“, von Röschen, Malteser Welpe 5 Monate nach zweistündigem Spaziergang um die Außen- Alster oder „Unsere Susi, sie kann ja so lieb sein, wenn sie schläft!“, dann wird mein Herz oft schwer.

• Richtig schlimm wird es, wenn man Welpen in die Nachbarschaft verkauft und dann mit ansehen muss, wie so ein kleiner Kerl mit 8 Monaten joggen muss. Oder er flitzt alleine im Park rum, weil er ein Loch im Zaun findet.

Wir haben es doch so intensiv behandelt:

  1. Willy ist kein Draufgänger, der hat gerade Angst und verteidigt sich, weil ihm der Schutz durch seine Menschen fehlt.
  2. Und gemischte Welpengruppen, wo 2 Kilo mit 25 Kilo spielen, sind nicht mehr am Puls der Zeit.
  3. Ein Kahlschnitt ist zwar manchmal die einzige Lösung, um der Verfilzung Herr zu werden, aber was ist so schwer daran, einen kleinen Welpen liebevoll täglich an die Fellpflege zu gewöhnen? Natürlich fiepen die Welpen manchmal, aber es deshalb nicht weiter zu üben ist keine Option. Das gehört zum Basisprogramm eines Hundebesitzers.
  4. Ganz großes Thema im Welpenkurs sind lauernde Gefahren in Tümpeln und Pfützen. Parasiten und Bakterien, wie Leptospirose, sind in der Hundepopulation weit verbreitet. Bis zu 50% der erkrankten Hunde sterben an den Folgen einer Leptospirose – Infektion. Die jährliche Impfung gegen diese Krankheit, deckt nicht alle Stämme ab. Die einfachste Vorbeugung neben der Impfung im Welpenalter ist daher: Kein Tümpel, keine Pfützen!
  5. Altersgerechtes Gassi gehen und Überbelastung der Gelenke im Welpenalter sind Themen, die ich mehrfach anspreche. Man joggt nicht mit einem 8 Monate alten Junghund.
  6. Ganz zu schweigen vom Thema Frustrationstoleranz. Ein Welpe sollte von Anfang an lernen, Frust zu ertragen. Sonst kann es nämlich passieren, dass man seine Susi, nur noch im Schlafzustand ertragen kann.
  7. Und ein unkastrierter Rüde geht nun mal stiften, wenn es keinen stabilen Zaun im Garten gibt oder er nicht erzogen ist und in den Freilauf geht. Er ist mit seiner Familie kürzlich weggezogen. Ich wünsche dir das allerbeste, kleiner Kerl.

Nicht jeder Hundebesitzer muss ein Hundetrainer sein.

Wichtig ist, dass sich Hund und Besitzer wohl fühlen. Geht es aber um die Gesundheit des Tieres, hört für uns Züchter der Spaß auf. Im Buch der Bücher steht: „Sorgen bedrücken das Herz eines Menschen….“(Sprüche 12.25) Wie wahr! Mein Mann empfiehlt da immer die rosarote Brille, und alles nicht so streng zu sehen. Ich gebe mir Mühe. Ich möchte gerne weiterzüchten, ohne bedrücktes Herz. Aber die Zukunft aller unserer Welpen liegt mir sehr am Herzen. Ich gebe mir die allergrösste Mühe, unsere Welpen bestmöglich auf den Weg zu bringen. Mit viel Leidenschaft und noch mal so viel Liebe.

Hätte ich einen Wunsch frei, dann würde ich mir Folgendes wünschen: ein Leben voller Liebe, angerechte Haltung und vor allem angerechte Behandlung für jedes, wirklich jedes meiner Welpenkinder. Gerade starte ich wieder. Meine Welpen verlassen gerade ihr Zuhause! Anstelle der rosa Brille biete ich erneut einen vierwöchigen Zooming-Kurs an. Mit Welpenmappe. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Also dann: auf ein Neues!

Als Hundehebamme holte Nathalie Lièvre-Heese hunderte von Welpen auf die Welt. Sie führt eine tierische Naturheilpraxis in Hamburg-Blankenese und züchtet Bolonka Zwetnas unter dem Zwingernamen „Bolonkas vom Süllberg“ und dabei erlebt Nathalie Lièvre-Heese eine Menge – Gutes, aber auch Bedenkliches. Darüber schreibt Sie in Ihrer Kolumne für die HundeWelt.


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