Neulich … | versorgte ich den ersten Wurf einer angehenden Hobbyzüchterin.

Wenn Sie operiert werden müssen, wählen Sie dann einen Hobby-Chirurgen? Einen, der keine oder nur zwei, drei praktische Erfahrungen vorzuweisen hat? Der Ihnen aber dafür all seine Zeit und seine ganze Fürsorge widmet, sympathisch und liebevoll ist und mit Herzblut dabei ist? Oder nehmen Sie den, der sagt: „Diese OP gehört zu meinen täglichen Aufgaben und ich kann mit allen möglichen Konsequenzen fachgerecht umgehen?“

Warum Liebe in der Hundezucht alleine nicht reicht, sondern es auf Wissen und Erfahrung ankommt, erklärt Hundehebamme und Naturheiltherapeutin mit Schwerpunkt Zuchtoptimierung, Nathalie Lièvre-Heese.

Nachdem wir fertig waren, setzten wir uns noch auf einen Kaffee zusammen, um die nächsten Tage durch zu sprechen. Und das war auch nötig. Sie hatte bezüglich ihres Wurfes einige Aktivitäten vor, über die wir dringend sprechen mussten. Sie wollte sich generell als Hobbyzüchter abgrenzen von den kommerziellen Züchtern, die alle diese Aktivitäten nicht unternahmen, die bei der Anzahl von Tieren sich ja um so etwas gar nicht kümmern können.

Sicher freuen sich die zukünftigen Welpenbesitzer über Fotos der Welpen, mit leicht geöffneten Augen auf der Wiese. Auch ist es ja etwas ganz besonderes, wenn die zukünftigen Welpeninteressenten ihre Welpen alsbald besuchen können und auch wenn diese erst 11 Tage alt sind, in die Hand zu nehmen um ein Foto zu machen. Aber ist das gut oder schlecht? Um wen geht es hier?


Fakt ist …

… die ersten 14 Tage haben die Welpen noch keinen eigenen Wärmeaustausch, sie hören nichts und sehen nichts, sie sind empfindlich auf Einwirkung fremder Keime. Normalerweise liegen sie zu diesem Zeitpunkt auch geborgen bei der Hündin in der Höhle. Fangen sie an, die Augen zu öffnen, sind diese auf Licht eher empfindlich und deshalb verbleiben sie bis zum Abschluss dieses Prozesses in der Höhle.

Der säugenden Hündin die Welpen dauernd aus der Kiste zu nehmen und in fremde Hände zu geben, führt in der Regel bei Hündinnen zu Irritationen und schweren Komplikationen, glauben Sie mir. Hündin und Welpen müssen erst einmal ihren Rhythmus finden, dazu brauchen sie Ruhe.

Mir fiel noch eine andere Hobbyzüchterin ein. Sie lässt ihre Hündin zum dritten Mal belegen. Daran ist nichts auszusetzen. Nur hatte diese Hündin in den ersten 2 Würfen immer eine Gesäugeentzündung. Die Welpen mussten ab dem 6. Tag mit der Hand aufgezogen werden. Die Hündin musste jeweils mit einer langen Antibiotika-Vergabe versorgt werden und konnte nicht mehr unkontrolliert zu ihren Welpen. Um wen geht es hier? Diese Liste lässt sich so fortführen: Wiederbelegung trotz fast tödlicher Eklampsie, Wiederbelegung trotz Kaiserschnitt. Letzte Wiederbelegung mit 8 Jahren mit dem 5. Wurf.

Klar hat der Hobbyzüchter Zeit, sich um all das zu kümmern. Aber macht es das Züchten besser? In meinen Augen: Nein.

Über Züchter

Klar hat der Hobbyzüchter Zeit, sich um all das zu kümmern. Aber macht es das Züchten besser? In meinen Augen: Nein. Aber was soll der Hobbyzüchter machen, wenn er züchten möchte? Er hat ja nur diese eine oder vielleicht zwei Hündinnen. Und dann bleibt das Wohl der Hündin manchmal tatsächlich auf der Strecke.

Ich verstehe nicht, warum Menschen, die gewerblich züchten, benachteiligt werden, also ihr Ruf schlechter ist. Diese haben in der Regel viel Know-How und ein großes Basiswissen. Fehler in der Aufzucht kommen dort selten vor.

Hündinnen, die sich nicht zur Geburt oder zur Aufzucht eignen, werden sofort aus der Zucht genommen. Für sie wird ein gutes Zuhause gesucht. „Ja, aber ist das nicht furchtbar?“, höre ich dann oft. „Dann leben die Hündinnen da, gewöhnen sich und müssen dann wieder weg. Wie herzlos!“ Das sind Fragen, denen sich kein Vollblut-Pferdezüchter stellen muss.

Als Züchter widmet man sich dem Erhalt einer Rasse. Man versucht, diese zu veredeln, die Vielfalt der genetischen Basis zu erhalten, sie bei größtmöglicher Vitalität und Gesundheit in möglichst optimaler Weise groß zu ziehen. Und das geht nun mal gar nicht, wenn man nur eine Hündin hat. Und denken Sie bitte auch einmal an die Therapiebegleithunde oder an Blindenhunde. Diese erhalten ihre Ausbildung auch von einem Profi und werden im höheren Alter erfolgreich an den passenden Menschen vermittelt.

Wissen Sie – es gibt gute Züchter und es gibt schlechte. Aber eine Hobbyzucht generell als besser zu bezeichnen, ist schlicht und einfach falsch. Egal wie man züchtet, Ziel sollte es sein, artgerecht, gesunde und rassetypische Hunde zu züchten.


Lieber gemeinsam

Wie heißt es doch so schön im Bibelbuch Sprüche: „Pläne scheitern, wenn man sich nicht miteinander berät!“ Warum spricht man nicht einmal mit einem erfahrenen kommerziellen Züchter, als sich von emotionalisierten Halbwahrheiten im Internet korrumpieren zu lassen? Ich plädiere dafür, sich nicht gegenseitig zu bekämpfen, sondern lieber gemeinsam dafür zu kämpfen, dass Welpen bei Züchtern gekauft werden, die ihre Hunde zur Zucht zugelassen haben und nicht von Hundevermehrern, die leider immer noch den größeren Teil der Welpenverkäufe ausmachen.
Dann, dessen bin ich mir sicher, wird in Zukunft sehr viel richtig laufen.


Als Hundehebamme holte Nathalie Lièvre-Heese hunderte von Welpen auf die Welt. Sie führt eine tierische Naturheilpraxis in Hamburg-Blankenese und züchtet Bolonka Zwetnas unter dem Zwingernamen „Bolonkas vom Süllberg“ und dabei erlebt Nathalie Lièvre-Heese eine Menge – Gutes, aber auch Bedenkliches. Darüber schreibt Sie in Ihrer Kolumne für die HundeWelt.


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