Mit Hunden auf dem Motorrad unterwegs | Tierisch abgefahren!

Tom Winkler kommt aus Lambrecht, mitten im schönen Pfälzer Wald. Im Mai 2006 kaufte er sich eine Honda Pan European ST1300. Im November 2006 kam dann der erste Hund.

Wie bist du denn (sprichwörtlich) auf den Hund gekommen?

Tom Winkler: Die Kinder waren erwachsen bzw. groß genug, sodass wir genug Zeit hatten, uns einen Hund „anzuschaffen“. Das war 2006. Jacky war ein Jack-Russel-Mischlingsmädchen und wurde im Frühjahr 2007 ans Mopedfahren gewöhnt – natürlich mit sehr viel Leckerlis. Leider ging sie im Juni 2014 von unsWilli kam 2012 mit ca. 9 Monaten zu uns. Er ist aus Mallorca, war aber schon bei „Pflegeeltern“.

Lotte ist aus Rumänien. Sie war schon ca. 2 Jahre, als sie 2014 zu uns kam. Damals hatten wir im Umkreis von gut 100 km, jedes Tierheim abgeklappert. Entweder waren die Hunde schon zu alt (8 Jahre +) oder zu groß. Darum haben wir uns für Tierschutzhunde entschieden.

Wie hat sich dein Leben dadurch verändert?

Tom Winkler: Wir konnten nicht mehr überall hin, da wir die Hunde nicht alleine zu Hause lassen wollten. In der Eingewöhnungszeit, als Willi und Lotte zu uns kamen, nahm zuerst meine Frau ihre 3 Wochen Urlaub, danach ich meine 3 Wochen. Es drehte sich alles um die Hunde. Da Willi ein „sturer“ Terrier-Mix ist, besuchte meine Frau mit ihm sonntags, die Hundeschule. Erfolg: Na ja 😉 Als wir uns für einen Hund entschieden war klar, dass er mitfahren sollte, da wir im Jahr bis zu 20tkm unterwegs sind. Daher, die „Größe“ der Hunde.

Wie bist du auf die Idee gekommen?

Tom Winkler: Ich recherchierte im Internet und fand diverse Hunde, die mitfuhren. Ich nahm Kontakt auf und lies mich „beraten“. Meinen ersten Kontakt hatte ich damals über Facebook.

Wie hast du deine Vierbeiner ans Motorradfahren gewöhnt?

Tom Winkler: Der Tankrucksack bzw. das Topcase diente in den ersten zwei bis drei Monaten als Rückzugsort bzw. als „Hundehütte“, in dem die Hunde immer ihr Leckerli bekamen. Als sie sich daran gewöhnt hatten, dass nichts Schlimmes passiert, wenn wir die „Unterkünfte“ verschlossen, kamen die Teile ans Motorrad.
Dann habe ich die Hunde aufs Motorrad in den Tankrucksack bzw. das Topcase gesetzt und wieder mit viel Leckerli an die „Höhe“, gewöhnt.
Nachdem dies ohne Probleme funktionierte, habe ich mal den Motor angelassen und später auch mal Gas gegeben. Sobald sie sich auch daran gewöhnt hatten, fing ich an, mit den Zweien etwas zu fahren. Zuerst im Hof, dann ging es so langsam mal raus auf die Straße.

Am Anfang fuhren wir (Hunde, Frau und ich) maximal fünf Minuten und hielten dann an, ließen die Hunde raus, spielten mit ihnen und anschließend ging es wieder 5 bis 10 Minuten auf „große“ Fahrt. Wieder eine Pause usw, usw. Die Übung zog sich je nach Hund bis zu 3 Monate hin. Jetzt sind sie sehr entspannt auf dem Moped. Wehe, sie werden mal nicht mitgenommen…

Welche Hundekörbchen nimmst du fürs Motorrad?

Tom Winkler: Vorne gibt es ein Tankrucksacksystem von BAGSTER, der die Möglichkeit bietet, Hunde anzuleinen. Hinten ist es ein originales Topcase, leicht modifiziert. Willi und Lotte sind hier aber auch nicht sehr anspruchsvoll. Ihnen ist egal, welche Decke oder welches Kissen mit ihnen auf Tour geht. Dennoch habe ich den Boden mit stoßabsorbierendem Material ausgelegt.

Was für mich wichtig ist, ist, dass beide ab 15 Grad und darunter einen Hundemantel tragen und bei unter 10 Grad wird eine kleine Heizung für beide untergelegt. Nachdem Willi direkt hinter der Scheibe sitzt, braucht er keine Brille. Lotte hingegen braucht eine, da mein Windschatten nicht soweit reicht.

Was hast du für Erfahrungen mit den Hunden im Hotel gemacht?

Tom Winkler: NUR Positive. Ich suche uns von zu Hause aus über buchungsportale Pensionen, bei denen Hunde erlaubt sind. Ich achte darauf, dass die Unterkunft möglichst nahe am Wald, Feld o.ä. ist, damit die Fellnasen schnell ihren nötigen Auslauf bekommen. Von der Unterkunft aus starten wir unsere Tagestouren. Wir fahren 1–1,5 Stunden am Stück, machen ca. 30 Minuten Pause, damit sich die Kleinen austoben können. Somit schaffen wir um die 300 Kilometer am Tag. Die meiste Urlaubszeit verbringen wir in Südtirol, dort haben wir eine tolle Ferienpension gefunden. Die beiden dürfen dort so viel herumtollen wie sie wollen und für uns ganz wichtig, sie dürfen auch mit ins Restaurant.

Was ist das Besondere an Willi und Lotte?

Tom Winkler: Willi ist unser Clown, hat immer nur Blödsinn im Kopf. Lotte ist seine Gouvernante, passt immer auf, dass er es nicht übertreibt, und rügt ihn auch. Frau halt…

Welches Feedback bekommst du von Freunden/Bekannten/ Bikerkollegen?

Tom Winkler: Im wahren Leben gibt es NUR positive Resonanz. Bei Pausen kommt man ohne Probleme ins Gespräch. Das Interesse ist sehr groß und die meisten Biker finden es cool. Kaum einer hat so was vorher schon gesehen, geschweige denn, gleich mit zwei Hunden und das noch ohne Beiwagen.

Im Internet bzw. Facebook kommen schon mal sehr derbe Kommentare und es vergeht auch kaum ein Jahr, an dem wir nicht die Tierschützer bzw. das Veterinäramt auf den Hals geschickt bekommen, aber die kennen uns mittlerweile schon.

Wurdest du schon mal polizeilich wegen der beiden angehalten?

Tom Winkler: JA, in Deutschland eher selten. Das passiert eher im Ausland, weil die Polizisten es noch nicht gesehen haben, interessiert sind und Bilder machen möchten.

Was wünschst du dir für die Zukunft mit Willi und Lotte?

Tom Winkler: Dass wir noch viele Kilometer zusammen fahren, denn die Hunde hören zur Familie.

Sehr geehrter Herr Winkler, vielen Dank für das angenehme Gespräch.

Tom Winkler kommt aus Lambrecht, mitten im schönen Pfälzer Wald. Im Mai 2006 kaufte er sich eine Honda Pan European ST1300. Im November 2006 kam dann der erste Hund.


Dieses Interview stammt aus der HundeWelt.

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