Wir streicheln unsere Katzen falsch!

Wer gerne Schmusestunden mit seiner Katze verbringt, sollte jetzt gut hinhören: Kann es sein, dass du deine Katze falsch streichelst? Du hast richtig gelesen – auch hier gibt es ein „richtig“ und ein „falsch“. Zumindest bei einigen, eher wählerischen Samtpfoten. Eine neue Studie zeigt uns, was sich unsere Miezen wirklich wünschen.

Aggressive Miezen – aber warum?

Die Studie wurde durchgeführt von Dr. Lauren Finka, unterstützt wurde sie dabei von der Tierrettungsorganisation Battersea aus London, England. Gemeinsam machten sich die englischen Forscher zum Ziel, herauszufinden, warum unsere Miezen so häufig aggressives Verhalten gegenüber ihren Menschen zeigen. Das passiert nämlich, trotz besserem Verständnis von Katzen und ihrer Bedürfnisse, noch immer regelmäßig in vielen Mensch-Katze-Beziehungen. Vor allem in Tierheimen und Tierschutzvereinen wirft das noch viele Fragezeichen auf. Die Tierpfleger tun ihr Bestes für die Samtpfoten und nehmen sich Zeit, sie zu streicheln und ihnen ein sicheres Gefühl zu geben. Aber vergeblich: Viele Katzen reagieren auf die Streichel- und Annäherungsversuche mit noch mehr Stressverhalten. Daher vermutete das Forscherteam, dass diese etwas mit der Art des Streichelns und des Interagierens zu tun haben könnte.

Das Streichel-Experiment

Um herauszufinden, wo die Probleme in den meisten Mensch-Katze-Beziehungen liegen, wurden insgesamt 100 Katzen und ihr Verhalten untersucht. 120 Tierliebhaber wurden ausgewählt, um die Samtpfoten kennenzulernen und mit ihnen zu interagieren. Jeder Teilnehmer durfte insgesamt sechs Katzen besuchen und jeweils 5 Minuten mit ihnen verbringen.

Bei den ersten drei besuchten Katzen wurden die Teilnehmer dazu aufgefordert, ganz „normal“ mit ihnen zu interagieren, wie sie es auch sonst tun würden. Die einzigen Vorgaben waren, dass sie die Samtpfoten nicht auf den Arm nehmen sollten und ihnen nicht hinterherlaufen, wenn sich die Katze von ihnen entfernt.

Als Nächstes wurden den Teilnehmern ein Video gezeigt, in dem ihnen ein neues Streichel-Konzept vorgestellt wurde: Das CAT-Konzept. Das ist eine Abkürzung für drei Stichworte, die die Testpersonen bei den folgenden Katzentreffen einhalten sollten. Diese Stichworte sind Entscheidung und Kontrolle (englisch: choice and control), Aufmerksamkeit (englisch: paying attention) und Berührung (englisch: touch). Ziel war es, diesmal besonders auf das Verhalten der Katzen beim Streicheln zu achten und sich dementsprechend zu verhalten. Die Teilnehmer trugen eine kleine Kamera bei sich, damit die Forscher das Verhalten der Katzen ganz genau beobachten konnten.

Anschließend wurden die Testpersonen dazu befragt, wie freundlich sie die jeweiligen Samtpfoten einschätzen, um zu sehen, ob sich durch den veränderten Umgang mit den Miezen auch die Einstellung der Menschen verändert.

CAT-Konzept: ein voller Erfolg

Tatsächlich waren die Beobachtungen der Studie sehr positiv. Zwischen den „normalen“ Interaktionen von Mensch und Katze und den „kontrollierten“ Streicheleinheiten war ein großer Unterschied zu erkennen, da die Katzen sich deutlich sichtbar anders verhielten.

Bei den Begegnungen ohne das CAT-Konzept wurden deutlich mehr negative Verhaltensweisen bei den Samtpfoten beobachtet, zum Beispiel Fauchen, Knurren oder sogar der Versuch zu beißen und zu kratzen.

Außerdem waren die untersuchten Katzen in diesem Teil des Experiments angespannter, was sich vor allem durch ihre Körperhaltung geäußert hat. Folgende Verhalten wurden beobachtet: In die Hocke gehen, nervöses Säubern vom Fell oder Ablecken der Nase, Abwenden von der Testperson und Kopfschütteln. Auffällig war ebenfalls, dass die Katzen jeweils eine lange Zeit ihre Ohren flach angelegt haben und stark mit ihrem Schwanz wedelten.

Im zweiten, kontrollierten Teil des Experiments wurden dank des CAT-Schemas deutlich positivere Interaktionen beobachtet. Hier hatten die Katzen vermehrt sogar nach vorn gerichtete Ohren und ihr Schwanz war häufiger nach oben gerichtet. Außerdem schnupperten die Samtpfoten häufiger an den Menschen und suchten von sich aus den Körperkontakt.

Besonders auffällig waren die Einschätzungen der Testpersonen über das Wesen der Katzen. Diese veränderten sich nämlich zwischen den beiden Experimentphasen kaum.

Was das für uns bedeutet

Leider sagen diese Ergebnisse einiges über die Beziehungen zu unseren Samtpfoten aus. Vor allem zeigt uns die Studie, dass viele Menschen immer noch zu wenig auf die Körpersprache von Katzen achten, während sie sie streicheln. So kommt es zu vermehrtem Stress und als Folge auch zu aggressivem Verhalten.

Ebenso enttäuschend ist das Ergebnis, dass die Teilnehmer die Katzen bei jedem Teil des Experiments als gleich freundlich einschätzten, obwohl das Verhalten der Samtpfoten deutlich dagegen sprach. Wir scheinen also noch zu wenig Zeit in ein besseres Verständnis unserer Miezen zu investieren – das sollten wir ändern. Und zwar jetzt!

Das Gute ist, dass das CAT-Schema genau dieses Problem zu lösen scheint. Indem wir also mehr auf die Bedürfnisse unserer Katzen eingehen, ersparen wir ihnen Stress und haben deutlich positivere Begegnungen mit ihnen. Das bedeutet zwar auch in einigen Fällen, dass wir sie gar nicht streicheln sollten, aber dieser Verzicht ist es wert. Denn das Wohl unserer Katzen sollte immer Vorrang haben. Probier es aus!

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