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Einsatz auf vier Pfoten! | Teil 45

Die erste Frau in der Diensthundestaffel ändert die Emotionen auf dem Revier. Wie werden Bux und Elmar Heer ihre Prüfung meistern?

So, wie sich die bayerische Polizei bis Ende der 1980er Jahre noch als reiner Männerverein präsentierte, war es auch bei der Diensthundestaffel – der Frauenmangel währte hier sogar noch länger. Dies bedeutete nicht, dass sich Frauen weniger als ihre männlichen Kollegen dafür eigneten oder interessierten, ihren Streifenpartner gegen einen Diensthund zu tauschen. Aber die Voraussetzung, vor der Bewerbung als Hundeführerin einige Jahre Diensterfahrung zu sammeln, mussten sich die Kolleginnen zunächst noch erarbeiten.

Die erste Frau in der Staffel

2002 war es so weit: die erste Frau in der Staffel. Nach und nach folgten weitere. Und sie brachten einen frischen Wind mit. Ich wage zu behaupten: einen wärmeren. Die Witze, die erzählt wurden, waren weniger derb, der Umgang untereinander wurde weicher. Ich jedenfalls freute mich, hatte ich es doch schon des Öfteren bedauert, ausschließlich mit Männern zusammen zu arbeiten. Allmählich hörte man das Geständnis „Ich liebe meinen Hund“, wofür man früher durchaus belächelt wurde, auch von Kollegen.

Mir kam diese emotionale Veränderung innerhalb unserer Einheit entgegen. Über Gefühle zu sprechen war kein Tabu mehr. Selbst für Tränen, etwa über den Verlust des Diensthundes, musste sich keiner mehr schämen. Und diejenigen unserer Hunde, die wie Buxi meinten, dass Frauen grundsätzlich „die Guten“ seien, bekamen endlich die Gelegenheit, an weiblichen Figuranten zu lernen. Dank des vertrauten Geruches der Schutzkleidung war die Umstellung vergleichsweise leicht für sie.

Schwieriger war es, bei Übungen die in neutraler Kleidung versteckte Kollegin als „Lumpen“ zu identifizieren und entsprechend zu verbellen. Oder besser gesagt als Lumpin? Ich kreierte in diesem Zusammenhang das Wort Lumpine, das allerdings noch keinen Einzug in das allgemeine Vokabular der Diensthundeführer und -führerinnen gefunden hat. Letztendlich sollte auch ein Polizeihund keinen Unterschied zwischen Männlein und Weiblein machen.

Die Prüfung machte mich nervös

Nach gut einem Jahr Abwesenheit inklusive vierzehn Tage Gewöhnungszeit für Buxi und mich trat ich wieder meinen Dienst in Nürnberg an. Ich traf nicht nur auf vertraute Gesichter, sondern auch auf zwei neue Kollegen und eben eine neue, sehr nette Kollegin. Alle drei hatten mit ihren Hunden die Probezeit bereits hinter sich und befanden sich mitten in der Ausbildung. Ich war froh, dass ich mit Buxi bereits einen geprüften Schutz- und Rauschgiftspürhund an meiner Seite hatte, und freute mich schon auf interessante Einsätze mit ihm.

Ganz ohne Prüfung durfte es für uns dennoch nicht losgehen. Chef und Ausbildungsleiter wollten sich vorher davon überzeugen, ob Bux und ich bereits ein Team waren. Offen gesagt machte mich das schon etwas nervös. Bux hatte mich zwar schon nach wenigen Tagen als seinen Rudelführer akzeptiert, er hörte gut auf mich, machte brav Sitz und Platz und kam zu mir, wenn ich ihn rief. Auch das Gehen bei Fuß klappte schon wunderbar. Was ich nicht wusste, war, wie sich der Hund im Schutzdienst verhielt, ob er einen Angriff gegen mich abwehren und im Falle eines Bisses auf mein Kommando auch loslassen würde.

Am Nachmittag wurde es ernst.

In einem Waldstück bei Kornburg sollte Buxi einen Täter aufstöbern, im Hundeführerjargon auch „Lump“ genannt, der allerdings als Figurant gepolstert war und Kurt hieß. Kurt war unser Ausbildungsleiter. Manchmal tat er mir leid. Nicht nur, weil der Job des Ausbilders, insbesondere der des Figuranten, ein harter war, sondern auch, weil ihn kaum ein Hund der Staffel leiden konnte. Für sie war Kurt der Einbrecher, Angreifer, Flüchtende. Kurt, der ewige Lump. Was nicht bedeutete, dass jeder Lump wie Kurt riechen musste. Aber für unsere Hunde roch Kurt nach Lump.

Schön war, dass ich Buxi das alles nicht mehr beibringen musste. Ich legte meinen Hund am Waldrand ins Platz, ging neben ihm in die Hocke und flüsterte: „Pass auf! Wo ist der Lump?“ Mehr musste ich nicht sagen, Buxi wusste Bescheid. Er starrte in das Unterholz, seine Flanken vibrierten vor Spannung. Ich deutete in die Richtung, in die er starten sollte und sagte „voran!“. Doch Buxi spurtete auf sein Stichwort in die entgegengesetzte Richtung und verschwand im Dickicht. Mir wurde heiß. Was bedeutete das? War ihm der Duft eines Rehs oder Hasen in die Nase gestiegen? So etwas durfte nicht passieren. Ein Polizeihund jagt nicht, also keine Rehe und Hasen, sondern Lumpen!

Alarmsignale schrillen: Wo ist Bux?

Erleichtert hörte ich Buxis Bellen, denn das hörte sich ganz und gar nicht nach Wildern an. Zu dem Zeitpunkt, als ich ihn losschickte, hatte er Kurt offenbar längst in der Nase gehabt und war auf direktem Weg zu ihm gelaufen, um ihn zu stellen. Praxisgemäß schlich ich mich, jeden Baum als Deckung nutzend, an und beobachtete dabei, wie Bux Kurt bellend umkreiste. Auch ein echter Täter hätte keine Chance gehabt, zu entkommen. Als Kurt es dennoch versuchte, verbiss sich Bux in dessen gepolsterten Arm und hielt ihn fest.

Ich trat aus meinem Versteck. „Aus!“, rief ich, und Bux ließ tatsächlich sofort los. „Hier!“ war mein nächstes Kommando. Mein Hund zögerte nur kurz, dann kam er zu mir und setzte sich neben mich, ohne Kurt dabei aus den Augen zu lassen. Ich war erstaunt und begeistert zugleich. Bux hatte den Beweis angetreten, dass wir längst ein Team waren.

Hier erfährst du, wie es weitergeht.

Elmar Heer arbeitet seit 40 Jahren als Polizeibeamter. 1990 wechselte er vom Streifendienst zur Diensthundestaffel Mittelfranken. Schon früh entdeckte er seine zweite Leidenschaft: das Schreiben. Mit seinem Buch „Partner auf Leben und Tod“, erschienen bei Droemer-Knaur, gewährt der Autor dem Leser einen Einblick in Leben und Arbeit eines Polizeihundeführers. Er erzählt über seine Aufgaben als Hundeführer, die umfangreiche Ausbildung von Polizeihunden und über spannende, heitere und auch tragische Einsätze, die er mit seinen Schäferhunden Gundo, Bux, Carina und Sam erlebte.



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