Hund anschaffen? In Bremen geht das ab Juli nur noch mit bestandener Prüfung

Ab dem 1. Juli 2026 wird der Sachkundenachweis in BremenPflicht. Was hinter der Theorie- und Praxisprüfung steckt und warum das Wissen jeden Halter angeht.

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Bremen macht ernst: Der Sachkundenachweis für Hunde wird Pflicht

Ab dem 1. Juli 2026 wird der Sachkundenachweis in Bremen für alle neuen Hundehalter Pflicht. Was hinter der Theorie- und Praxisprüfung steckt und warum das Wissen jeden Halter angeht, egal in welchem Bundesland.

Lesezeit ca. 5 Minuten Redaktion good4pets.de Stand: 06.06.2026

Es gibt Momente, in denen man eine Nachricht liest und denkt: endlich. Nicht weil man auf Strenge aus ist. Nicht weil irgendjemand mit Formularen geärgert werden soll. Sondern weil viele schon lange darauf gewartet haben, dass jemand laut ausspricht, was eigentlich selbstverständlich sein sollte.

Ein Hund ist kein Accessoire. Er ist auch kein Kuscheltier, das man sich nach einem schlechten Tag vom Regal nimmt. Er ist ein Lebewesen mit einer Sprache, die man lernen muss. Mit Bedürfnissen, die man verstehen muss. Und mit einer Kapazität für Stress, Überforderung und Angst, die sich auf eine Art entlädt, die wehtut, wenn man nicht hinschaut. Manchmal an jemand anderem.

Herbst 2023. Ein Rottweiler beißt einem sechsjährigen Mädchen in den Kopf. Die Verletzungen sind schwer. Man könnte sagen: Einzelfall. Man könnte sagen: schwarzes Schaf. Man könnte die Augen ein bisschen zukneifen und hoffen, dass es das war.

Die Zahlen hinter dem Gesetz

Zwischen 2021 und 2023 wurden in Bremen 150 Beißvorfälle mit Personenschäden registriert. 150 Mal verletzte Menschen. 150 Situationen, in denen ein Hund überfordert war und sein Halter es nicht rechtzeitig bemerkt hat. Bremen hat die Augen nicht zugekniffen.

Was ab dem 1. Juli 2026 in Bremen gilt

Ab dem 1. Juli 2026 gilt im Land Bremen: Wer sich einen Hund anschafft, muss vorher nachweisen, dass er dafür bereit ist. Grundlage ist das Bremische Gesetz über das Halten von Hunden (BremHundeG) vom 24. Juni 2025. Die Sachkunde wird in zwei Schritten geprüft, einer Theorie- und einer Praxisprüfung. Kein Hexenwerk, aber auch kein Spaziergang für jemanden, der sich noch nie ernsthaft damit beschäftigt hat, was in seinem Hund vorgeht.

Die theoretische Prüfung muss vor der Aufnahme des Hundes abgelegt werden. Die praktische Prüfung folgt innerhalb eines Jahres nach der Aufnahme, der Hund muss dafür mindestens zwölf Monate alt sein. Bremen ist damit nach Niedersachsen das zweite Bundesland, das eine allgemeine Sachkundepflicht für Hundehalter einführt.

Wie die Sachkundeprüfung abläuft

Die Theorie orientiert sich am D.O.Q.-Test 2.0, einem bundesweit einheitlichen Format der Tierärztlichen Arbeitsgemeinschaft Hundehaltung (TAG-H e.V.). Geprüft wird Wissen aus sieben Sachgebieten: Welpenkauf und Aufzucht, Lernverhalten, Ausdruck und Verhalten, Hund in der Öffentlichkeit, Haltung, Pflege und Gesundheit, Hund und Recht sowie Hund und Mensch. Also genau das, was man eigentlich wissen sollte, bevor man ein Lebewesen nach Hause holt: wie ein Hund die Welt wahrnimmt, was er braucht und was ihn überfordert.

Die Praxis dauert 60 Minuten. Bewertet wird nicht, ob der Hund brav ist. Bewertet wird, ob Halter und Hund ein Team sind. Ob der Mensch seinen Hund lesen kann. Ob er eine brenzlige Situation erkennt, bevor sie zur Katastrophe wird. Das ist alles. Kein Parcours, keine Schikane, das absolute Minimum.

Das Wichtigste in Kürze

Theorie vor der Anschaffung, Praxis innerhalb eines Jahres danach. Die Theorie folgt dem D.O.Q.-Test 2.0 mit sieben Sachgebieten, in der Praxis zeigen Halter und Hund, dass sie im Alltag sicher zusammenarbeiten.

Der häufigste Einwand, und warum er nicht trägt

Die Abwehrhaltung gegen alles, was nach Vorschrift klingt, ist verständlich. Nach Staat, der sich einmischt, wo er nichts verloren hat. Diese Haltung kennt fast jeder, und manchmal teilt man sie sogar.

Aber dann denkt man an das sechsjährige Mädchen. Und an die 150 Fälle. Und an all die Halter, von denen die meisten ihren Hund geliebt haben, und die einfach nicht wussten, was sie nicht wussten. Unwissenheit ist kein Vorwurf. Sie ist eine Lücke. Und Lücken kann man füllen.

Genau das macht dieser Sachkundenachweis. Er füllt die Lücke. Nicht mit Bürokratie, sondern mit Wissen. Mit dem Wissen, das den Unterschied macht zwischen einem Halter, der seinen Hund führt, und einem Halter, der hofft, dass schon nichts passiert.

Was du jetzt tun kannst, egal wo du wohnst

Wenn du in Bremen wohnst und planst, dir nach Juli 2026 einen Hund anzuschaffen: Fang jetzt an. Die Prüfung ist kein Hindernis für jemanden, der vorbereitet ist. Sie ist eine Bestätigung.

Wenn du außerhalb von Bremen wohnst: Warte nicht auf dein Bundesland. Das Wissen, das der Sachkundenachweis abfragt, ist kein bremisches Spezialwissen. Es ist das, was jeden Halter jeden Tag begleitet. Körpersprache lesen, Stress erkennen, Lernen verstehen. Das macht den Unterschied, unabhängig davon, ob dein Bundesland eine Prüfung verlangt oder nicht.

Gut vorbereitet in die Prüfung

Auf Minerva Campus gibt es ein kostenloses Themenmodul zum Sachkundenachweis: ein Lernscript mit allen sieben Sachgebieten, ein interaktiver Prüfungssimulator mit Übungsfragen samt Erklärungen und ein Praxis-Leitfaden für die praktische Prüfung. Alles an einem Ort, jederzeit abrufbar und in deinem Tempo.

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Häufig gestellte Fragen

Ab wann ist der Sachkundenachweis in Bremen Pflicht?

Ab dem 1. Juli 2026. Wer ab diesem Datum einen Hund aufnimmt, muss den Sachkundenachweis erbringen. Für Hunde, die vorher aufgenommen wurden, gilt die Pflicht in der Regel nicht, außer das Ordnungsamt hat den Hund als gefährlich eingestuft.

Aus welchen Teilen besteht die Prüfung?

Aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Die Theorie wird vor der Aufnahme des Hundes abgelegt, die praktische Prüfung innerhalb eines Jahres danach. Für die Praxis muss der Hund mindestens zwölf Monate alt sein.

Was ist der D.O.Q.-Test 2.0?

Eine bundesweit einheitliche Sachkundeprüfung der Tierärztlichen Arbeitsgemeinschaft Hundehaltung (TAG-H e.V.). Sie prüft Wissen aus sieben Sachgebieten rund um Verhalten, Haltung, Pflege, Gesundheit und Recht des Hundes.

Lohnt sich die Vorbereitung auch ohne Pflicht im eigenen Bundesland?

Ja. Körpersprache lesen, Stress erkennen und das Lernverhalten verstehen hilft jedem Halter im Alltag, unabhängig davon, ob das eigene Bundesland eine Prüfung verlangt oder nicht.

Quellen: Bremisches Gesetz über das Halten von Hunden (BremHundeG) vom 24. Juni 2025; Die Senatorin für Inneres und Sport, Freie Hansestadt Bremen, FAQ zum Hundeführerschein; Tierärztliche Arbeitsgemeinschaft Hundehaltung TAG-H e.V. (D.O.Q.-Test 2.0).

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