Vergisst deine Katze schon? Der Becher-Test

Gesunde Katzen zwischen sieben und vierzehn Jahren schaffen im Mittel zwei von fünf Punkten. Zwei, nicht fünf. Warum diese Zahl beruhigt und wie du sie bei deiner Katze selbst erhebst.

Porträt einer reifen getigerten Katze mit aufmerksamem Blick

Für diesen Versuch brauchst du fünf Becher, ein Leckerli und eine Katze, die alt genug ist, dass du dir manchmal Gedanken machst. Der Becher-Test stammt aus einer echten Studie, und die lief nicht im Labor, sondern in Wohnzimmern wie deinem.

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Schnell zum passenden Abschnitt: So baust du den Versuch auf Zum Protokoll Häufige Fragen

Kittel und Klemmbrett kannst du weglassen. Was du brauchst, steht in jeder Küche, und die halbe Stunde, die der Versuch kostet, sagt dir mehr über deine Katze als jede Internetliste mit Demenzsymptomen.

Teil 1: der Aufbau, oder warum es fünf Becher sein müssen

Nimm fünf gleiche Becher, undurchsichtig, alle von derselben Sorte. Umgedrehte Joghurtbecher taugen, kleine Schachteln auch. Stell sie im Halbkreis vor dich auf, jeder gleich weit vom nächsten und gleich weit von dir, und klebe sie mit doppelseitigem Klebeband fest. Sonst schiebt deine Katze den ganzen Aufbau quer durchs Zimmer, und du misst am Ende ihre Pfotenkraft statt ihres Gedächtnisses.

Dann eine Übungsrunde, die sie gewinnen darf. Leckerli vor ihren Augen unter einen Becher, sofort loslassen, fertig. Sie soll begreifen: Diese fünf albernen Dinger sind etwas wert. Ohne diesen Moment testest du später nicht ihr Erinnerungsvermögen, sondern ihre Gleichgültigkeit.

Teil 2: die dreißig langen Sekunden

Nimm deine Katze auf den Arm oder halte sie vor dir, so dass sie nach vorn schaut. Leg das Leckerli sichtbar unter einen der fünf Becher und warte, bis sie wirklich hinschaut. Dann dreh dich mit ihr um, beide vom Aufbau weg. Jetzt kommen dreißig Sekunden, in denen du sie streichelst und mit ihr redest. Kein Zeigen, kein Hinweisen, kein hilfreiches Kopfnicken in Richtung Becher.

Nach dreißig Sekunden dreh dich zurück und setz sie ab. Sie hat eine halbe Minute. Gezählt wird nur der Becher, an den sie zuerst geht. Trifft sie, gibt es einen Punkt, alles andere ist null. Fünf Runden, jedes Mal ein anderer Becher. Am Ende hast du einen Wert zwischen null und fünf.

Worauf du dabei achtest

Geht sie zielstrebig los, ohne Umweg, direkt auf den richtigen Becher? Dann spricht das dafür, dass sie sich die Stelle gemerkt und dreißig Sekunden festgehalten hat, obwohl sie in der Zwischenzeit nichts davon sehen konnte.

Läuft sie erst hin und her und schnüffelt sich heran? Auch ein Treffer, aber vermutlich hat die Nase gearbeitet und nicht der Kopf. Arbeitet sie den Halbkreis stur von links nach rechts ab, ist das eine Strategie und keine Erinnerung. Und geht sie an den Becher, unter dem in der letzten Runde etwas lag, klebt sie an einer Information, die nicht mehr gilt.

Wie du deiner alternden Katze wirklich beistehst

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Die beruhigende Zahl

Jetzt der Teil, der dich beruhigen wird. In der Studie erreichten gesunde Katzen zwischen sieben und vierzehn Jahren typischerweise zwei von fünf Punkten. Zwei. Nicht fünf. Wer also zwei schafft, liegt genau dort, wo die Gesunden liegen. Auch drei ist kein Kunststück und eins kein Befund. Für Katzen jenseits von vierzehn gibt es diesen Vergleichswert allerdings nicht.

Das Protokoll zum Becher-Test

Fünf Runden eintragen, Auswertung inklusive. Der Wert wird nicht gespeichert, notiere ihn dir für den nächsten Durchgang.

Warum fünf Becher und ausgerechnet dreißig Sekunden

Der Aufbau ist nicht ausgedacht. Federica Pirrone, Carlo Siracusa und ihr Team haben 2024 vierundvierzig gesunde Katzen zwischen sieben und vierzehn Jahren zu Hause getestet, jede von ihrem eigenen Menschen. Fünf festgeklebte Becher im Halbkreis, Verstecken vor den Augen der Katze, dreißig Sekunden Ablenkung mit Streicheln und Reden bei abgewandtem Blick, dann dreißig Sekunden Suchzeit. Gezählt wurde der erste Becher. Der Median lag bei zwei von fünf Punkten.

Die dreißig Sekunden sind ebenfalls kein Zufall. Sylvain Fiset und François Doré haben Katzen Verzögerungen von null, zehn, dreißig und sechzig Sekunden zugemutet. Die Treffergenauigkeit fiel zwischen null und dreißig Sekunden steil ab, lag aber selbst nach sechzig Sekunden noch über dem Zufall. Dreißig Sekunden sind also der Punkt, an dem es schwer wird, ohne unfair zu sein.

Und die fünf Becher? Bei zwei Bechern trifft eine Katze ohne jede Erinnerung in der Hälfte der Fälle. Bei fünf liegt der Zufall bei einem Fünftel. Erst dann lässt sich Glück von Gedächtnis unterscheiden.

Was der Test wirklich beantwortet

Damit ist die Titelfrage beantwortet, nur anders als erhofft: An einem Nachmittag erfährst du nicht, ob deine Katze vergisst. Ein einzelner Durchgang misst die Tagesform, nicht das Gehirn. Der Wert entsteht erst durch Wiederholung. Gleicher Aufbau, gleiche Becher, gleiche dreißig Sekunden, drei oder vier Mal im Jahr, jedes Mal notiert. In der Tiermedizin heißt das Verlaufskontrolle: Nicht der einzelne Wert zählt, sondern die Entwicklung beim eigenen Tier.

Dass so ein Verlauf überhaupt etwas aussagt, liegt an einem beruhigenden Befund: Bloßes Älterwerden hat in einer Untersuchung an Katzen die Leistung in einer räumlichen Lernaufgabe nicht messbar verschlechtert. Alt allein erklärt einen Einbruch also nicht.

Und wenn der Einbruch da ist?

Dann bitte nicht sofort das Wort Demenz. Kognitive Dysfunktion ist bei der Katze eine Ausschlussdiagnose. Schilddrüsenüberfunktion, hoher Blutdruck, Nierenerkrankung, schmerzende Gelenke, nachlassende Augen und Ohren, all das erzeugt dasselbe Bild. Also erst der Tierarzt: Blutbild, Blutdruck, Augen, Ohren, Gelenke. Demenz steht am Ende der Liste, nicht am Anfang.

Das häufigste Zeichen ist übrigens nicht Vergesslichkeit. In einer Fragebogenerhebung unter Katzenhaltern war unpassendes Lautgeben das häufigste Einzelzeichen bei den betroffenen Tieren, vier von zehn von ihnen zeigten es.

Der Becher-Test macht deine Katze also nicht zur Patientin. Er gibt dir eine Zahl, die du in einem Jahr noch einmal erheben kannst. Und eine Katze, die aufhört zu suchen, sagt damit oft am meisten. Wie gut die innere Landkarte deiner Katze sonst arbeitet, zeigt der Teleport-Test aus derselben Ausgabe.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter lohnt sich der Becher-Test?

Die Vergleichswerte stammen von Katzen zwischen sieben und vierzehn Jahren. Für Tiere jenseits von vierzehn gibt es diesen Vergleichswert nicht, das Protokoll bleibt dort trotzdem als Verlaufskontrolle sinnvoll.

Meine Katze hat nur einen Becher getroffen. Hat sie Demenz?

Nein. Ein einzelner Durchgang misst die Tagesform, nicht das Gehirn. Aussagekraft bekommt der Wert erst durch Wiederholung unter gleichen Bedingungen, drei- oder viermal im Jahr.

Warum genau fünf Becher?

Bei zwei Bechern trifft eine Katze ohne jede Erinnerung in der Hälfte der Fälle. Bei fünf liegt der Zufall bei einem Fünftel. Erst dann lässt sich Glück von Gedächtnis unterscheiden.

Was ist das häufigste Anzeichen für kognitive Dysfunktion bei Katzen?

Nicht Vergesslichkeit. In einer Fragebogenerhebung unter Katzenhaltern war unpassendes Lautgeben das häufigste Einzelzeichen bei den betroffenen Tieren, vier von zehn von ihnen zeigten es.

Mein Ergebnis ist eingebrochen. Was tun?

Zuerst in die Tierarztpraxis, nicht ins Internet. Kognitive Dysfunktion ist bei der Katze eine Ausschlussdiagnose. Schilddrüsenüberfunktion, hoher Blutdruck, Nierenerkrankung, schmerzende Gelenke sowie nachlassende Augen und Ohren erzeugen dasselbe Bild.

Fünf Bausteine für die alternde Katze

Was wirklich hilft, wenn das Katzenhirn altert, und was nur gut gemeint ist: Der Beitrag in OUR CATS 11/2026 ordnet die Maßnahmen nach ihrer Studienlage.

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