Arthrose beim Hund erkennen – Warum dein Hund leiser leidet, als du denkst

Was bei Arthrose im Gelenk passiert, welche Ursachen dahinterstecken und woran du erkennst, dass dein Hund betroffen sein könnte – auch wenn er sich nichts anmerken lässt.

von Sina Mertens | Fachredaktion Gesundheit

Er springt nicht mehr so fröhlich ins Auto. Morgens braucht er ein paar Schritte, bis er in Gang kommt. Und bei der Begrüßung fehlt neuerdings das wilde Schwanzwedeln mit Ganzkörpereinsatz. Vielleicht denkst du: Er wird halt älter. Vielleicht stimmt das sogar. Aber vielleicht steckt auch mehr dahinter.

Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung beim Hund. Jeder fünfte erwachsene Hund ist betroffen, ab dem siebten Lebensjahr sogar jeder dritte. Trotzdem wird sie oft spät erkannt – weil Hunde wahre Meister darin sind, Schmerzen zu verbergen.

Was passiert bei Arthrose im Gelenk?

Arthrose – fachlich Osteoarthrose – ist eine degenerative, chronische Gelenkerkrankung. Das bedeutet: Sie ist nicht heilbar und schreitet mit der Zeit fort. Der Gelenkknorpel, der normalerweise als Stoßdämpfer zwischen den Knochen dient, fasert auf und wird dünner. Die Gelenkinnenhaut entzündet sich.

Im weiteren Verlauf bildet der Körper knöcherne Anbauten – sogenannte Osteophyten. Sie sollen die Gelenkfläche vergrößern, um den Druck zu verteilen. Klingt nach einer guten Idee, führt aber leider zur zunehmenden Versteifung des Gelenks.

Die gute Nachricht: Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser lässt sich die Degeneration hinauszögern. Deshalb ist ein geschulter Blick so wichtig.

Die häufigsten Ursachen

Arthrose hat selten eine einzige Ursache. Meistens wirken mehrere Faktoren zusammen: Alter als natürlicher Verschleiß über die Jahre ist der häufigste Auslöser. Fehlbelastungen durch Hüftdysplasie (HD), Ellbogendysplasie (ED) oder andere Körperfehlstellungen belasten die Gelenke ungleichmäßig. Verletzungen wie Knochenbrüche mit Gelenkbeteiligung oder Bänderrisse können den Grundstein für spätere Arthrose legen. Übergewicht belastet die Gelenke – und Fettgewebe fördert zusätzlich Entzündungen im Körper. Auch Bewegungsmangel oder genetische Veranlagung können das Risiko erhöhen.

Die leisen Signale – woran du Arthrose erkennst

Das Tückische an Arthrose: Hunde zeigen Schmerzen nicht so, wie wir es erwarten. Sie jaulen selten auf, sie humpeln oft erst dann sichtbar, wenn die Erkrankung schon weit fortgeschritten ist. Stattdessen senden sie leise Signale – die man leicht übersehen kann.

Anlaufschmerzen: Dein Hund ist nach dem Aufstehen steif und braucht eine Weile, bis er sich „eingelaufen“ hat. Das ist oft das erste Zeichen.

Bewegungsunlust: Treppen werden gemieden, der Sprung ins Auto fällt schwer, das Aufspringen aufs Sofa bleibt aus.

Verhaltensänderungen: Die Begrüßung fällt ruhiger aus, die Ausdauer beim Spaziergang lässt nach, Spielaufforderungen werden seltener.

Körperliche Zeichen: Sichtbare Lahmheit, Muskelabbau (besonders an der Hinterhand), Verspannungen in Rücken und Schulter.

Knirschgeräusche: Sogenannte Krepitationen – ein Knirschen oder Reiben im Gelenk, das du manchmal spüren oder hören kannst.

Häufiges Belecken der Gelenke: Das Lecken reizt sensorische Nervenfasern und überlagert den Schmerz. Dein Hund versucht also, sich selbst zu helfen.

Entzündungszeichen: Bei einer sogenannten aktivierten Arthrose können Schmerz, Rötung, Schwellung und Wärme am Gelenk auftreten.

Ein wichtiger Hinweis: Auch wenn das Röntgenbild noch unauffällig ist, kann dein Hund bereits Arthrose-Beschwerden haben. Die klinischen Zeichen kommen oft vor den sichtbaren Veränderungen im Bild. Deshalb: Vertrau deiner Beobachtung.

Deine Beobachtungs-Checkliste für den Alltag

Du musst kein Experte sein, um die frühen Zeichen zu erkennen. Beobachte deinen Hund in den nächsten zwei Wochen gezielt und achte auf diese sieben Punkte:

  1. Wie steht er morgens auf? Zögert er, braucht er mehrere Anläufe?
  2. Wie bewegt er sich auf den ersten Metern? Steif, langsam, asymmetrisch?
  3. Meidet er Treppen, Sprünge oder bestimmte Bewegungen?
  4. Hat sich seine Ausdauer auf Spaziergängen verändert?
  5. Beleckt er bestimmte Gelenke auffällig häufig?
  6. Wirkt seine Muskulatur an einer Seite schwächer als an der anderen?
  7. Hat sich sein Verhalten verändert – ruhiger, zurückgezogener, gereizter?

Wenn du bei drei oder mehr Punkten nickst, lohnt sich ein Besuch bei der Tierärztin. Nimm deine Beobachtungen mit – sie sind wertvoller, als du denkst.

Du möchtest tiefer einsteigen?

Dieser Artikel hilft dir, Arthrose zu erkennen. Wenn du wissen möchtest, was du danach tun kannst – von der multimodalen Therapie über Physiotherapie bis zur richtigen Ernährung – findest du alles in den Themenmodulen zum Thema Arthrose beim Hund auf Minerva Campus.

Zu den Artikeln und Themenmodulen: Alles zum Thema Arthrose beim Hund auf www.minerva-campus.de

Früh hinschauen macht den Unterschied. Nicht, um sich Sorgen zu machen – sondern um rechtzeitig handeln zu können.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt nicht den Besuch beim Tierarzt. Bei gesundheitlichen Problemen oder Unsicherheiten konsultiere bitte immer eine Tierärztin oder einen Tierheilpraktiker.

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