Von Clara N.
Morgens, 6:30 Uhr. Während ich mir noch verschlafen die Augen reibe, höre ich es schon: das erwartungsvolle Miauen vor der Tür. Unsere Katze Lotti will ihr Frühstück – pünktlich wie ein Uhrwerk. Ich schmunzle, denn ich weiß, dass meine Freundin Julia zur selben Zeit mit ihrer Hündin Luna schon im Park unterwegs ist, bei Wind und Wetter. Zwei Frauen, zwei Haustiere, zwei Lebensstile – und die ewige Frage: Hund oder Katze – wer ist eigentlich beliebter?
Ein Kopf-an-Kopf-Rennen – fast
Die Deutschen lieben ihre Tiere – das steht fest. Und wer denkt, dass Hunde das Haustier Nummer eins sind, irrt nur knapp. Eine Studie aus dem Jahr 2022 zeigt: In Deutschland liegt der Haustiertrend zwischen Hund und Katze beinahe gleich auf. 51 Prozent der Befragten gaben an, einen Hund zu besitzen, 50 Prozent leben mit einer Katze zusammen. Auch bei der Frage, welcher Typ Mensch man sei, gehen die Meinungen auseinander: 35 Prozent bezeichneten sich selbst als „Hundetyp“, 32 Prozent als „Katzentyp“. Ein gutes Viertel konnte sich nicht eindeutig zuordnen – ein Zeichen dafür, wie sehr beide Tierarten geliebt werden.
Doch die Zahlen aus den Haushalten erzählen eine andere Geschichte.
Mehr Katzen als Hunde – deutlich
Laut dem Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) lebten 2021 rund 16,7 Millionen Katzen in deutschen Haushalten – im Vergleich zu etwa 10,3 Millionen Hunden. Im Jahr 2024 waren es noch 15,9 Millionen Katzen und 10,5 Millionen Hunde. Das bedeutet: Die Katze ist und bleibt das beliebteste Haustier der Deutschen.
Spannend dabei: Deutschland ist sogar das europäische Land mit den meisten Katzen. Insgesamt lebten 2024 rund 33,9 Millionen Haustiere in deutschen Haushalten. Auch wenn die Zahlen nach dem Corona-Höchststand 2020 wieder leicht zurückgehen, bleibt der Trend zur Tierliebe bestehen – und Katzen führen dabei die Beliebtheitsskala an.
Ein Blick über die Grenzen: In anderen Ländern führt der Hund
Ein Vergleich mit anderen Ländern zeigt: Die Vorlieben sind kulturell verschieden. Laut einer aktuellen Ausgabe der Statista Global Consumer Survey haben Hunde international oft die Nase vorn – und zwar deutlich.
In den USA sagten 74 Prozent der Haustierbesitzer:innen, dass sie einen Hund haben – nur 47 Prozent besitzen eine Katze. Ähnlich ist es in China, im Vereinigten Königreich und in Japan: In all diesen Ländern liegen Hunde klar vor den Samtpfoten.
Deutschland hingegen ist eine Ausnahme: Hier liegen Hund und Katze mit 51 zu 50 Prozent nahezu gleichauf. Das macht den deutschen Haustiermarkt besonders – und erklärt auch, warum sich die Zahl der Katzen trotz der knappen Umfrageergebnisse in der Realität so deutlich abhebt.
Warum Katzen so beliebt sind
Aber woran liegt es, dass sich so viele Menschen für eine Katze entscheiden? Ein Blick auf den Alltag vieler Familien liefert klare Antworten.
1. Katzen sind pflegeleichter:
Katzen müssen nicht Gassi gehen. Sie erledigen ihr Geschäft im Katzenklo und reinigen sich selbst. Das spart Zeit und manchmal auch Nerven.
2. Weniger Zeitaufwand:
Während Hunde regelmäßig raus müssen, Training brauchen und oft sehr menschenbezogen sind, sind Katzen unabhängig. Sie können gut allein bleiben und sind damit ideal für Berufstätige oder Alleinlebende.
3. Weniger Platz nötig:
Katzen fühlen sich auch in kleineren Wohnungen wohl. Besonders in Städten, wo Auslaufmöglichkeiten für Hunde fehlen, sind sie die praktischere Wahl.
4. Entspannende Begleiter:
Das ruhige Wesen von Katzen, ihr Schnurren, ihre Gelassenheit. All das wirkt auf viele Menschen beruhigend. Sie sind verschmust, aber nicht fordernd. Viele Halter:innen schätzen genau das.
5. Geringere Kosten:
Katzen sind nicht nur steuerfrei, im Gegensatz zu Hunden, für die eine oft teure Hundesteuer anfällt, sie fressen meist weniger, brauchen seltener teure Ausrüstung und verursachen insgesamt geringere Tierarztkosten.
6. Keine Steuerlast:
Für Katzen gibt es keine Katzensteuer. Die wurde zwar in der Vergangenheit diskutiert, etwa zum Schutz von Vögeln, durchgesetzt wurde sie jedoch nie. Hundehalter:innen hingegen zahlen je nach Wohnort teils hohe Steuern pro Tier.
Hundemenschen lieben den Kontakt – trotzdem bleibt die Katze vorn
Natürlich, viele Menschen lieben Hunde gerade wegen ihrer Energie, Treue und der täglichen Bewegung, die sie mitbringen. Hunde sind Familienmitglieder, Spielkameraden und Sozialpartner. Doch der Alltag vieler Menschen ist eng getaktet, der Wohnraum begrenzt, da passt eine Katze oft besser ins Leben.
Dass der Heimtiermarkt boomt, zeigt sich auch wirtschaftlich: Der Umsatz für Futter, Spielzeug und Zubehör wächst stetig. Zwar gab es 2024 einen kleinen Rückgang, aber Deutschland bleibt einer der größten Heimtiermärkte Europas.
Fazit: Es kommt auf das Leben an
Ob Hund oder Katze, am Ende ist es keine reine Kopfsache. Es geht um Lebensstil, Zeit, Platz und Charakter. Und um Herz. Für viele ist die Katze der ruhigere, unkompliziertere Mitbewohner. Für andere ist der Hund der beste Freund auf vier Pfoten. Die Zahlen zeigen: Beide Tierarten haben ihren festen Platz in den Herzen der Menschen. Doch in deutschen Wohnzimmern ist es die Katze, die auf leisen Pfoten den ersten Platz belegt.
Und Lotti? Die liegt jetzt zufrieden schnurrend neben mir. Julia schickt mir ein Bild von Luna im Park. Und ich denke mir: Vielleicht ist es ja auch völlig egal, wer beliebter ist, solange, man passt zusammen und ist Familie.
Quellen:
Brandt, M. (7. August, 2023). Katzen haben die Schnauze vorn [Digitales Bild]. Zugriff am 03. Juli 2025, von https://de.statista.com/infografik/18926/die-haeufigsten-haustiere-in-deutschland/
Armstrong, M. (2022, 7. Dezember). Dogs vs. Cats. Statista Daily Data. https://www.statista.com/chart/28906/dog-vs-cat-ownership-in-selected-countries/
Zandt, F. (2022, 5. Oktober). Katzen und Hunde gleichermaßen beliebt. Statista Daily Data. https://de.statista.com/infografik/28395/anteil-der-befragten-die-sich-als-katzen–hundetype-bezeichnen-wuerden/
ZZF. (16. April, 2025). Anzahl der Haustiere in deutschen Haushalten nach Tierarten in den Jahren 2000 bis 2024 (in Millionen) [Graph]. In Statista.
ZZF. (16. April, 2025). Anzahl der Haustiere in privaten Haushalten in Deutschland in den Jahren 2007 bis 2024 (in Millionen) [Graph]. In Statista.


