Aortenthrombose bei der Katze: Wenn jede Minute zählt

Aortenthrombose bei der Katze: Aufschrei, gelähmte, kühle Hinterbeine. Woran du den Notfall erkennst, was in der Praxis passiert und wie du vorbeugst.

Getigerte Katze liegt auf einer blauen Decke

Eine Aortenthrombose trifft Katzen fast immer ohne Vorwarnung: ein Aufschrei, danach tragen die Hinterbeine nicht mehr. Hier liest du, woran du diesen Notfall erkennst, warum jede Minute zählt und weshalb das Herz der Schlüssel zur Vorbeugung ist.

Lesezeit ca. 6 Minuten
Schnell zum passenden Abschnitt: Was passiert Die Notfallzeichen Praxis und Aussichten

Es ist kurz nach Mitternacht, als Kater Anton einmal laut aufschreit. Danach bleibt er liegen. Seine Hinterbeine bewegen sich nicht mehr, die Pfoten fühlen sich kühl an, sein Blick ist wach und erschrocken. Seine Familie denkt zuerst an einen Sturz. Aber da war keiner.

Anton hat eine Aortenthrombose, in der Fachsprache arterielle Thromboembolie oder kurz ATE. Für viele Katzenhalter ist es der Moment, in dem sie zum ersten Mal hören, dass ihre Katze herzkrank ist.

Was bei einer Aortenthrombose passiert

Ein Blutgerinnsel verschließt die große Körperschlagader, meist genau dort, wo sie sich im Becken in die beiden Beinarterien aufteilt. Das Blut erreicht die Hinterbeine nicht mehr, und innerhalb von Minuten beginnen Muskeln und Nerven zu leiden.

Fast immer liegt die Ursache im Herzen. Am häufigsten steckt eine hypertrophe Kardiomyopathie dahinter, kurz HCM. Dabei wird die Wand der linken Herzkammer immer dicker und steifer. Im vergrößerten linken Vorhof fließt das Blut dann langsamer, es bilden sich Gerinnsel, die sich lösen und mit dem Blutstrom fortgeschwemmt werden. Wie eine HCM entsteht und woran du sie früh bemerkst, erklärt unser Beitrag HCM bei der Katze.

Das Tückische: Viele dieser Katzen wirken vorher völlig gesund. In einer amerikanischen Studie mit 75 Katzen, die eine solche Thrombose überlebt hatten, war nur bei 15 Prozent vorher überhaupt eine Herzerkrankung bekannt.

Wenn das Herz deiner Katze schon auffällig ist

Im Themenmodul Herzerkrankungen: HCM bei der Katze auf Minerva Campus lernst du, was hinter der Diagnose steckt, welche Untersuchungen sinnvoll sind und wie du dein Tier zu Hause im Blick behältst.

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Diese Zeichen sind ein Notfall

Das Bild einer Aortenthrombose ist so typisch, dass die Tierärztin oder der Tierarzt oft schon beim ersten Blick weiß, was los ist. Für dich zählt vor allem eines: es zu erkennen und sofort loszufahren.

Sofort in die Praxis oder Tierklinik, auch nachts

Ein plötzlicher Aufschrei, danach kommt die Katze nicht mehr auf die Hinterbeine. Meist sind beide Beine betroffen, manchmal nur eines. Die Pfoten fühlen sich kühl an, Ballen und Nagelbetten werden blass, grau oder bläulich, die Muskeln verhärten sich. Viele Katzen atmen zusätzlich schnell und angestrengt, und sie haben starke Schmerzen, auch bei Berührung. Nicht abwarten, nicht erst beobachten.

Die Eile hat einen Grund. Wird die Durchblutung nicht innerhalb weniger Stunden wiederhergestellt, sterben Muskeln und Nerven dauerhaft ab. Wie ernst die Lage ist, zeigt auch eine britische Auswertung von 250 Fällen aus Tierarztpraxen: Katzen, die bei der Ankunft bereits unterkühlt waren, hatten deutlich schlechtere Aussichten.

Was in der Praxis passiert und wie die Aussichten sind

An erster Stelle stehen Schmerzmittel, denn der Schmerz ist erheblich. Dazu kommen Wärme, bei Atemnot Sauerstoff und eine Therapie für das Herz. Medikamente, die die Blutplättchen hemmen, sollen verhindern, dass sich neue Gerinnsel bilden. Ein Herzultraschall zeigt, wie stark das Herz bereits verändert ist, besonders der linke Vorhof.

Die Prognose muss man ehrlich benennen. In der erwähnten britischen Auswertung wurde die Mehrheit der Katzen gleich bei der Vorstellung eingeschläfert. Einige der behandelten Katzen lebten danach aber noch länger als ein Jahr. Und es gibt einen belegten Hebel für die Zeit danach: In einer Vergleichsstudie senkte der Wirkstoff Clopidogrel die Gefahr einer erneuten Thrombose stärker als Aspirin.

Anton gehört zu denen, die es geschafft haben. Ein Hinterbein zieht er leicht nach, er bekommt täglich seine Herzmedikamente und schläft am liebsten wieder auf dem Schoß seines Menschen.

Vorbeugen: Das Herz im Blick behalten

Eine Aortenthrombose lässt sich nicht vorhersagen, aber das Risiko lässt sich einschätzen. Viele Katzen mit HCM zeigen jahrelang keine Beschwerden, und der Herzultraschall ist die zuverlässigste Untersuchung, um die Erkrankung zu entdecken, bevor ein Notfall entsteht.

Was du tun kannst

Sprich in deiner Tierarztpraxis an, ab wann und wie oft ein Herzultraschall bei deiner Katze sinnvoll ist, vor allem bei einem Herzgeräusch oder einer Rasse mit bekanntem HCM-Risiko. Ist eine HCM bereits bekannt, frag nach einem vorbeugenden Gerinnungshemmer. Und gib Herzmedikamente konsequent jeden Tag, auch wenn deine Katze fit wirkt.

Die ganze Geschichte von Kater Anton, die Stunden nach dem Notruf und die Therapie aus Sicht des behandelnden Tierarztes, stehen in der aktuellen OUR CATS, erhältlich im Handel oder direkt ab Verlag.

Häufige Fragen

Ist eine Aortenthrombose für die Katze schmerzhaft?

Ja, sehr. Katzen schreien beim Einsetzen oft laut auf und reagieren auch Stunden später noch mit Schmerzen, wenn die betroffenen Beine berührt werden. Deshalb steht die Schmerzbehandlung in der Praxis an erster Stelle.

Kann eine Katze eine Aortenthrombose überleben?

Ja, das ist möglich, auch wenn die Aussichten ernst sind. Wie gut sich eine Katze erholt, hängt davon ab, wie schnell sie behandelt wird, wie stark das Herz verändert ist und ob sich die Beine wieder erholen. Manche Katzen leben danach noch länger als ein Jahr.

Wie kann ich einer Aortenthrombose vorbeugen?

Über das Herz. Eine HCM lässt sich per Herzultraschall oft lange vor einem Notfall erkennen. Ist sie bekannt, gibt es Medikamente, die das Risiko für Gerinnsel senken sollen. Welche für deine Katze passen, entscheidet die Tierarztpraxis.

Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Bei den beschriebenen Zeichen fährst du bitte sofort in eine Praxis oder Tierklinik.

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