Marktplatz der Tierqual – wie Plattformen wegschauen

Es dauert genau drei Minuten.Drei Minuten, um ein Inserat auf eBay-Kleinanzeigen einzustellen. Titel: „Süße Mini-Chihuahuas abzugeben“.

Es dauert genau drei Minuten.

Drei Minuten, um ein Inserat auf eBay-Kleinanzeigen einzustellen. Titel: „Süße Mini-Chihuahuas abzugeben“. Text: „Verspielt, geimpft, gesund, ideal für Familien.“ Ein paar Emojis, ein Preis – sagen wir, 380 Euro. Und vier Bilder von Welpen, deren Augen noch gar nicht richtig offen sind.

Was nicht gefragt wird: Woher die Tiere kommen. Wer die Mutter ist. Ob es einen Heimtierausweis gibt, einen Impfnachweis, einen Herkunftsnachweis.
Was eBay auch nicht interessiert: Wie oft der Verkäufer schon inseriert hat.
Ob die Tiere krank sind.
Ob sie überhaupt existieren.

„Wir sind nur die Plattform“, sagt eBay.
„Wir stellen lediglich die technische Infrastruktur zur Verfügung.“
Ein Satz wie aus der Verantwortungskultur des Silicon Valley.

Aber der Schaden, der durch diese Infrastruktur entsteht, ist real.

Tausende dubiose Anzeigen, jede Woche. Immer dieselben Maschen: zu jung, zu günstig, zu perfekt. Immer wieder dieselben Orte: Parkplätze, Raststätten, leerstehende Wohnungen. Ich habe Testanfragen gestellt – unter falschem Namen. Niemand hat je nach meinem Namen gefragt. Oder nach meinem Wohnort. Oder ob ich Erfahrung mit Hunden habe. Hauptsache, das Geld stimmt.

Ich habe Screenshots, Dokumente, Chatverläufe. Ich habe mit Menschen gesprochen, die einen todkranken Welpen gekauft haben – und zwei Tage später beim Tierarzt standen.
Die Plattform? War nie erreichbar.
Die Anzeige? Gelöscht.
Der Anbieter? Verschwunden.

Kleinanzeigen veröffentlicht Richtlinien.

Darin steht, man solle „achtsam sein“, „nicht auf Vorkasse zahlen“ und „bei Unsicherheit den Kontakt melden“.
Was nicht drinsteht: Wie viele Anzeigen täglich gelöscht werden.
Wie viele Beschwerden eingehen.
Wie oft tatsächlich ermittelt wird.

Solange Plattformen mitverdienen, aber keine Verantwortung übernehmen, bleibt der illegale Welpenhandel ein Massengeschäft. Organisiert, anonym, effizient.
Ein Supermarkt des Leids – auf Klick.

Wir regulieren Lebensmittel, Medikamente, Tabak. Wir verbieten Werbung für Alkohol und Glücksspiel.
Aber Tiere? Darf jeder anbieten.
Ohne Sachkunde. Ohne Kontrolle.
Ohne schlechtes Gewissen.

Wer das ändern will, braucht nicht nur Tierliebe.

Er braucht Druck auf die Plattformen.
Mit Klarnamenpflicht.
Mit Herkunftsnachweis.
Mit echten Kontrollen.

Ich weiß: Die Plattformen werden sich wehren. Werden sagen: Das sei nicht machbar. Nicht skalierbar. Nicht wirtschaftlich.

Wissen Sie, was auch nicht wirtschaftlich ist?

Ein toter Welpe auf einem OP-Tisch.

Ich bin Max Löhmer. Und ich werde weiter hinschauen.

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